Wasser marsch!

Im letzten Blogbeitrag habe ich lamentiert, wie schnell man zunehmen kann, wenn man quasi über Nacht Wasser einlagert. Bei mir war ein Medikament der Auslöser, es können aber auch z.B. Hitze, ein salzreiches Essen, Alkohol oder viele Kohlehydrate dazu führen, dass die Waage am nächsten Tag ungnädig ist.

Es geht natürlich auch umgekehrt. Whoosh nennt man den Effekt, wenn sich der Körper urplötzlich von eingelagertem Wasser trennt, angeblich bis zu 3 Kilo. In meiner Abnehmphase ist es mir aber ehrlich gesagt noch nie passiert, dass ich von heute auf morgen mehr als ein Kilo verloren hätte. Ganz im Gegenteil. Meine Abnahme verlief eher so, dass ich im hohen Defizit im Schnitt 200 g pro Tag verloren habe. Im Schnitt heißt, dass ich auch mal gerne bis zu einem Kilo mehr wog, aber nie, nie umgekehrt.

Man kann sich vorstellen, wie wenig linear meine Abnahme verlaufen ist, wenn man sich kurze Zeitspannen anschaut. Langfristig ging es natürlich trotzdem immer bergab.

Aber jetzt esse ich ja minimal im Defizit (1500 – 1700 kcal an Nicht-Sporttagen) und ohne Defizit an Sporttagen (2000 – 2200 kcal). Damit verliere ich ziemlich genau 1 Kilo im Monat. Der Sinn dahinter ist, Fett ab- und Muskeln aufzubauen. Bei meinem Körperfettanteil von 25% ist das noch möglich. Für diese Methode (Rekomposition) benötigt man ziemlich viel Geduld und ich glaube auch Erfahrung beim Abnehmen in Form von Kalorienzählen. Das hilft nämlich ungemein. Z.B. nehme ich Kreatin zu mir, ein Ergänzungsmittel, das bis zu 3 Kilo Wasser binden kann. Das verschleiert eine Gewichtsabnahme und kann zu Frustration führen, wenn man nicht genau dokumentiert, was man zu sich nimmt und was man für ein Bewegungsmuster an dem jeweiligen Tag hat.

Sport an sich hat übrigens auch gerne mal einen Wasser einlagernden Effekt. Nämlich immer dann, wenn man sich Mikro-Verletzungen zufügt, was zumindest beim Kraftsport ja auch eigentlich gewollt ist.

Manchmal läuft auch alles total quer. Aktuell bin ich z.B. krank. Ich liege also faul auf der Couch und esse ohne Defizit. Zum Dank zeigt mir die Waage seit letzter Woche 3 kg weniger. Na super. Ich visualisiere das hier mal:

whoosh.PNGNun könnte man sich freuen – oder in Panik verfallen und an Muskelabbau denken. Aber das ist eher unwahrscheinlich, wenn man kein Kaloriendefizit einhält.

Anscheinend bin ich doch mal in den Genuss des Whoosh-Effekts gekommen.

NichtsdestotrAotz kribbelt es schon wieder in den Gliedmaßen. Ich hab nämlich keinen Bock mehr auf Couch und vermisse den Sport!

 

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Fresskaliert!

Wenn sich der Stress häuft – und das tat er letzte und diese Woche – dann ist man schnell dabei, zu den geliebten fettigen Kohlenhydraten zu greifen. „Man“ bin ich. Und ich bin fresskaliert!

Rückwirkend ergibt sich folgende Kausalkette:

Anscheinend habe ich mich am Mittwoch beim Sport verletzt, jedenfalls tat mir der Mittelfuß höllisch weh, ich konnte kaum auftreten. Als erfahrene Dr. Google Patientin griff ich hoffnungsvoll zu einer viel beworbenen Salbe, die aber nur mäßig Linderung brachte.

Also ließ ich den Sport am Freitag ausfallen.

Und am Samstag.

Und am Sonntag.

Sport betreibe ich natürlich primär, um meinen Körper in ein Hulk-ähnliches, aber nichtsdestotrotz wunderschönes Erscheinungsbild umzumodulieren, siehe Bild. In zweiter Linie ist er einfach höllisch hilfreich, um Stress abzubauen!

hulk

Was tun, wenn der Stressabbau durch Sport wegfällt? Aber ja! Essen! Von Freitag bis Samstag habe ich daher mal einfach die Atemluft mit Leckereien substituiert.

Um eine Lanze für mich zu brechen, immerhin waren es nicht Chips, Kuchen und Schokolade, sondern wenigstens selbstgemachte Quarkbrötchen, Proteinchips und Obst. Aber zuviel davon…. *schluchz*

Das Resultat: Fast 3 – in Worten DREI – Kilo mehr auf der Waage!

Tja, kein Wunder, könnte man denken. Oder noch schlimmer: Dann ist ja auch schon alles egal.

Aber halt!

Die Rechnung geht natürlich nicht auf und der Geschichte fehlt noch die Pointe.

Um 3 Kilo innerhalb von 3 Tagen zuzunehmen, hätte ich 21.000 Kalorien mehr essen müssen als mein Tagesbedarf von ca. 2.000 Kalorien. Also jeden Tag 9.000 Kalorien! Ich sage nicht, dass das nicht machbar ist. Aber es wäre schon eine Herausforderung. Ein Glück, dass ich alles aufschreibe und daher weiß, dass ich selbst am schlimmsten Tag, nämlich am Samstag, „nur“ bei 2.800 Kalorien gelandet bin. Was ist also mit mir passiert? Wiegt vielleicht das schlechte Gewissen so viel mehr?*

Wenn man an sich so etwas feststellt, also einen komischen Ausreißer, lohnt es sich, genau Revue passieren zu lassen, was man die Tage so gemacht hat. Für Frauen ist auch immer der Blick auf den Zyklus wichtig.

Nun, bei mir war der Übeltäter ein ganz anderer.

Als mein Fuß so irre weh tat und die „Natur“-Salbe nichts half, bin ich in die Apotheke und habe mir Voltaren-Tabletten geholt, von denen ich dann drei am Tag genommen habe. Die haben auch gut geholfen. Nur war mir nicht bekannt, dass Diclofenac, der Wirkstoff in Voltaren, massiv Wasser zieht. Es steht sogar auf der Packungsbeilage und wenn man Dr. Google befragt, bekommt man zahlreiche Erfahrungsberichte dazu. Aber wer interessiert sich schon für Nebenwirkungen…

Fazit: Ich bin heilfroh, dass ich

  • mein Gewicht täglich erfasse und dadurch mit Schwankungen gut umgehen kann (man stelle sich vor, ich würde mich nur alle Wochen oder zwei Wochen wiegen, ich hätte ja an allem gezweifelt!)
  • meine Kalorien tracke und daher ziemlich sicher weiß, was ich zu erwarten habe (und was nicht)

Dadurch verfalle ich nicht gleich in Selbsthass und Demotivation, sondern kann rational auf Ursachenforschung gehen.

Btw: Das Wasser verschwindet natürlich, ich wiege jetzt – zwei Tage nach Absetzen – schon wieder 2 Kilo weniger (trotzdem ich meinen kompletten Kalorienbedarf ausgeschöpft habe).

*Tatsächlich ist die Antwort hierauf immer JA, wenn du gerade abnehmen möchtest. 1 MsG entspricht dabei 0,89 Delta gKG
(MsG = Mahlzeit, die mit schlechtem Gewissen verzehrt wird, Delta gKG = Zuwachs an gewissensproduzierten Kilogramm)

Kasterix und Kobelix

Heute habe ich es endlich mal geschafft, in den Keller zu gehen und die gefühlt 50 Kleidersäcke durchzusehen. Dabei habe ich eine Reise rückwärts durch meine Abnahme gemacht.

Ein paar ganz aktuelle Kleidungsstücke sind aufgrund des Wetters in den Keller gewandert (also z.B. alle Winterpullis) – da schwanken die Größen zwischen 36 und 40. Aber je weiter ich mich nach vorne gearbeitet habe, umso größer wurden die Blusen, Jacken und Hosen. Ganz zuletzt öffnete ich dann einen Sack und kramte ein verdrängtes Kleidungsstück nach dem nächsten heraus – und damit gleichsam viele ebenso verdrängte Erinnerungen.

Größe 56. Heute kann ich mir das gar nicht mehr vorstellen, schon auch deshalb, weil ich mich ja nie so dick gefühlt habe. Die wenigen Fotos von mir erzählen aber eine andere Geschichte. Da sehe ich in der Tat nach Größe 56 aus!

Als ich dann einen Pulli in der Hand hielt, von dem ich noch weiß, dass er nicht wirklich locker saß, kam mir die Idee für dieses  Bild:

IMG_20180811_173447-01.jpeg

Den türkisen Pulli hatte ich heute an.

Und wer bist du?

Wenn man viel, sehr viel abnimmt, passiert es schon mal, dass Leute einen nicht wiedererkennen. Im Kopf ist dann noch das Schema „dick“ abgespeichert und wenn man das nicht mehr erfüllt, sorgt man für Irritationen. „Dich hätte ich ja nicht mehr erkannt!“ ist also ein Satz, den ich schon ein paar Mal gehört habe.

Mir ging es früher oft umgekehrt und ich erkannte mich nicht wieder auf Bildern, die mich als dicker Mensch zeigten. In meinem Kopf war zulange das Schema „nicht schlank, aber auch nicht dick“ verankert. Deshalb sorgten reale Fotos von mir regelmäßig für depressive Verstimmungen oder Selbstverleugnung. Dieses hier z.B.:

katja

Das Bild hat der beste Ehemann in Paris aufgenommen und es hat mir den ganzen Frankreich-Urlaub verhagelt.

Heute bin ich bei Fotos überkritisch und es kann passieren, dass ich ein Bild morgens ganz ok finde und abends denke „Boah, hab ich dicke Oberschenkel!“. Wenn es dann doch mal passiert, dass mir ein Bild dauerhaft gefällt (also länger als eine Stunde), dann relativiere ich diese Freude sofort mit „Naja, das ist ein Spiegel-Selfie, ist halt ein Spiegel der schlanker macht.“ In meiner Beziehung zum besten Ehemann fällt daher bisweilen der Satz: „Bester Ehemann, sehe ich wirklich so aus?“, wobei er dann gezwungen ist, 25 Selfies aus jeder Blickrichtung zu begutachten. Der arme Mann. Bei sowas können Männer eigentlich nur verlieren!

Ich bin daher mittlerweile sehr damit einverstanden, wenn jemand ganz anderes ein Bild von mir macht!

Noch dazu, wenn ich darauf so glücklich aussehe wie hier (und glänzend):

gluecklich

Das Bild stammt von Samstag Nacht, wo der beste Ehemann und ich in seinem Lieblings-Pub seinen Geburtstag gefeiert haben. Credits: Niels Kreller

Interessant finde ich es, wenn Menschen, die mich lange nicht gesehen haben, ihre Überraschung in Worte zu kleiden. Frauen sind da deutlich ehrlicher! „Hast du viel abgenommen!“

Viele Männer dagegen sind so konditioniert, dass sie eine Frau niemals auf ihr Gewicht ansprechen. Da fallen eher Sätze wie „Hast du eine neue Frisur?“ (Ja, die 45 kg Haare habe ich endlich abschneiden lassen) oder „Irgendwas ist an dir anders, du trägst jetzt öfter Röcke, oder?“ (Ja, die 45 kg Bleihosen waren mir auf Dauer zu schwer).

Der netteste Satz in diesem Zusammenhang kam vom Chef des besten Ehemanns. Ich war wieder mal am frieren und formulierte das auch. Er meinte dazu nur: Kein Wunder, wenn man so viel Material abwirft.

Ganz schlimm dagegen ist es, wenn man gar nicht darauf angesprochen wird. Das ging mir mindestens 20 kg so und es war ziemlich frustrierend! Noch nach 25 kg Abnahme meinte eine Kollegin zu mir, nachdem mich ein Kollege (!) darauf ansprach, dass ihr das gar nicht aufgefallen sei. Da beginnt man schon zu zweifeln. Eine ganze Weile dachte ich, dass ich wahrscheinlich überhaupt nie normal(gewichtig) aussehen werde, weil meine Figur so komisch ist.

Die Schwelle vom Schema „dick“ zum Schema „normalgewichtig“ passierte ich dann aber doch bei ca. 80 kg. Ab da, nach gut 35 kg Abnahme, war die Veränderung aber auch wirklich nicht mehr zu übersehen.

Ganz grundsätzlich finde ich es total ok, wenn man mich auf die Abnahme anspricht (ist doch viel besser als auf eine Zunahme! Aber darauf wird man ja erst recht nicht angesprochen!).

Was meint ihr? Sprecht ihr Menschen in eurem nahen Umfeld auf Zu- oder Abnahme an?

Plötzlich Prinzipien

Ende letzten Jahres waren wir im Universum in Bremen. Das ist ein Wissenschaftsmuseum und dort kann man u.a. seinen CO2-Fußabdruck bestimmen. Mein Ergebnis wich so ein bisschen von dem ab, was ich gedacht habe. Denn mein Gewissen war eigentlich einigermaßen sauber:

  • wir haben kein Auto
  • wir fliegen nicht, sondern nutzen die europäischen Bahnen
  • wir fahren auch hier in Hamburg nur mit dem ÖPNV
  • wir haben einen niedrigen Wasser- und Stromverbrauch und darüberhinaus ist der auch noch öko
  • die ganze Wohnung ist mit LED-Lampen ausgestattet
  • wir heizen im Winter nur das Bad und das Wohnzimmer
  • wir hatten damals noch die Kochbox und dadurch deutlich weniger Müll
  • ich kaufe fast nur im Second-Hand-Shop Klamotten, mein Mann nur 2-3x im Jahr überhaupt Kleidung
  • wir achten bei Geräten auf die Energieeffizienzklasse

So weit, so wenig nachhaltig. Denn im Ergebnis bräuchte wir knapp 3 Erden, wenn jeder so leben würde wie wir. Krass!

Und noch krasser, dass ich aus der Nummer recht schwer rauskomme, als reiche, konsumorientierte, alles verfügbar habende Europäerin!

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Ein Tipp, den mir das Universum aber mitgegeben hat, war, meinen Fleischkonsum zu verringern. Das kam für mich zu diesem Zeitpunkt aber mal überhaupt nicht in Frage! Fleisch ist das wichtigste Lebensmittel überhaupt! Dachte ich.

Heute denke ich, Fleisch ist mit das wertvollste Lebensmittel überhaupt. Es gibt so gut wie keine hochwertigeren Proteine. Und dennoch verzichte ich darauf. Zuerst hat mich vor allem Schweinefleisch angeekelt und ich habe es für mich vom Speiseplan gestrichen. Schuld daran war aber nicht das schlechte Umweltgewissen, sondern eigentlich mehr die ekelhafte Massentierhaltung.

So wichen immer mehr Fleischsorten bis ich zuletzt auch auf mein geliebtes Lammfleisch verzichtet habe. Das ist jetzt drei Monate her.

Seitdem ernähre ich mich eigentlich nicht vegetarisch, sondern pescetarisch, ich verzichte also ausschließlich auf Fleisch. Fisch esse ich ab und an und Milchprodukte sowie Eier auch.

Mein Mann isst brav mit, wenn es Seitanschnitzel und Co. gibt, aber auf Fleisch verzichten kann er nicht. Das ist für mich auch ok, denn es gibt eben andere Lebensentwürfe und ich sehe es schon als Vorteil, als Paar nicht mehr diese Massen an Fleisch zu konsumieren. Auch kleine Schritte können schon etwas bewirken. Und meine Mutter ist mit über 70 erst zur Vegetarierin geworden! Veränderungen brauchen manchmal eben Zeit und sind darüber hinaus wirklich so gut wie immer möglich!

Mittlerweile konnte ich meinen Erdenverbrauch runterschrauben. Denn mit 8,59 Tonnen CO2 liege ich weit unter dem bundesdeutschen Durchschnitt. Der Test lobt mich dafür sogar und sagt:

Würde die gesamte Weltbevölkerung so vorbildlich leben, bräuchten wir nur 2,08 Planeten!

Wie bitte? Das ist nun wirklich kein Grund zur Freude. Denn 2,08 Erden sind halt immer noch 1,08 Erden mehr, als wir zur Verfügung haben.

Ich arbeite also weiter daran, den CO2-Verbrauch zu reduzieren!

Hier geht es zum Test (mit Erdenverbrauch, WWF): WWF Klimarechner
Fundierter mit Tipps (Umweltbundesamt): Umweltbundesamt Klimarechner