Kasterix und Kobelix

Heute habe ich es endlich mal geschafft, in den Keller zu gehen und die gefühlt 50 Kleidersäcke durchzusehen. Dabei habe ich eine Reise rückwärts durch meine Abnahme gemacht.

Ein paar ganz aktuelle Kleidungsstücke sind aufgrund des Wetters in den Keller gewandert (also z.B. alle Winterpullis) – da schwanken die Größen zwischen 36 und 40. Aber je weiter ich mich nach vorne gearbeitet habe, umso größer wurden die Blusen, Jacken und Hosen. Ganz zuletzt öffnete ich dann einen Sack und kramte ein verdrängtes Kleidungsstück nach dem nächsten heraus – und damit gleichsam viele ebenso verdrängte Erinnerungen.

Größe 56. Heute kann ich mir das gar nicht mehr vorstellen, schon auch deshalb, weil ich mich ja nie so dick gefühlt habe. Die wenigen Fotos von mir erzählen aber eine andere Geschichte. Da sehe ich in der Tat nach Größe 56 aus!

Als ich dann einen Pulli in der Hand hielt, von dem ich noch weiß, dass er nicht wirklich locker saß, kam mir die Idee für dieses  Bild:

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Den türkisen Pulli hatte ich heute an.

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Und wer bist du?

Wenn man viel, sehr viel abnimmt, passiert es schon mal, dass Leute einen nicht wiedererkennen. Im Kopf ist dann noch das Schema „dick“ abgespeichert und wenn man das nicht mehr erfüllt, sorgt man für Irritationen. „Dich hätte ich ja nicht mehr erkannt!“ ist also ein Satz, den ich schon ein paar Mal gehört habe.

Mir ging es früher oft umgekehrt und ich erkannte mich nicht wieder auf Bildern, die mich als dicker Mensch zeigten. In meinem Kopf war zulange das Schema „nicht schlank, aber auch nicht dick“ verankert. Deshalb sorgten reale Fotos von mir regelmäßig für depressive Verstimmungen oder Selbstverleugnung. Dieses hier z.B.:

katja

Das Bild hat der beste Ehemann in Paris aufgenommen und es hat mir den ganzen Frankreich-Urlaub verhagelt.

Heute bin ich bei Fotos überkritisch und es kann passieren, dass ich ein Bild morgens ganz ok finde und abends denke „Boah, hab ich dicke Oberschenkel!“. Wenn es dann doch mal passiert, dass mir ein Bild dauerhaft gefällt (also länger als eine Stunde), dann relativiere ich diese Freude sofort mit „Naja, das ist ein Spiegel-Selfie, ist halt ein Spiegel der schlanker macht.“ In meiner Beziehung zum besten Ehemann fällt daher bisweilen der Satz: „Bester Ehemann, sehe ich wirklich so aus?“, wobei er dann gezwungen ist, 25 Selfies aus jeder Blickrichtung zu begutachten. Der arme Mann. Bei sowas können Männer eigentlich nur verlieren!

Ich bin daher mittlerweile sehr damit einverstanden, wenn jemand ganz anderes ein Bild von mir macht!

Noch dazu, wenn ich darauf so glücklich aussehe wie hier (und glänzend):

gluecklich

Das Bild stammt von Samstag Nacht, wo der beste Ehemann und ich in seinem Lieblings-Pub seinen Geburtstag gefeiert haben. Credits: Niels Kreller

Interessant finde ich es, wenn Menschen, die mich lange nicht gesehen haben, ihre Überraschung in Worte zu kleiden. Frauen sind da deutlich ehrlicher! „Hast du viel abgenommen!“

Viele Männer dagegen sind so konditioniert, dass sie eine Frau niemals auf ihr Gewicht ansprechen. Da fallen eher Sätze wie „Hast du eine neue Frisur?“ (Ja, die 45 kg Haare habe ich endlich abschneiden lassen) oder „Irgendwas ist an dir anders, du trägst jetzt öfter Röcke, oder?“ (Ja, die 45 kg Bleihosen waren mir auf Dauer zu schwer).

Der netteste Satz in diesem Zusammenhang kam vom Chef des besten Ehemanns. Ich war wieder mal am frieren und formulierte das auch. Er meinte dazu nur: Kein Wunder, wenn man so viel Material abwirft.

Ganz schlimm dagegen ist es, wenn man gar nicht darauf angesprochen wird. Das ging mir mindestens 20 kg so und es war ziemlich frustrierend! Noch nach 25 kg Abnahme meinte eine Kollegin zu mir, nachdem mich ein Kollege (!) darauf ansprach, dass ihr das gar nicht aufgefallen sei. Da beginnt man schon zu zweifeln. Eine ganze Weile dachte ich, dass ich wahrscheinlich überhaupt nie normal(gewichtig) aussehen werde, weil meine Figur so komisch ist.

Die Schwelle vom Schema „dick“ zum Schema „normalgewichtig“ passierte ich dann aber doch bei ca. 80 kg. Ab da, nach gut 35 kg Abnahme, war die Veränderung aber auch wirklich nicht mehr zu übersehen.

Ganz grundsätzlich finde ich es total ok, wenn man mich auf die Abnahme anspricht (ist doch viel besser als auf eine Zunahme! Aber darauf wird man ja erst recht nicht angesprochen!).

Was meint ihr? Sprecht ihr Menschen in eurem nahen Umfeld auf Zu- oder Abnahme an?

Plötzlich Prinzipien

Ende letzten Jahres waren wir im Universum in Bremen. Das ist ein Wissenschaftsmuseum und dort kann man u.a. seinen CO2-Fußabdruck bestimmen. Mein Ergebnis wich so ein bisschen von dem ab, was ich gedacht habe. Denn mein Gewissen war eigentlich einigermaßen sauber:

  • wir haben kein Auto
  • wir fliegen nicht, sondern nutzen die europäischen Bahnen
  • wir fahren auch hier in Hamburg nur mit dem ÖPNV
  • wir haben einen niedrigen Wasser- und Stromverbrauch und darüberhinaus ist der auch noch öko
  • die ganze Wohnung ist mit LED-Lampen ausgestattet
  • wir heizen im Winter nur das Bad und das Wohnzimmer
  • wir hatten damals noch die Kochbox und dadurch deutlich weniger Müll
  • ich kaufe fast nur im Second-Hand-Shop Klamotten, mein Mann nur 2-3x im Jahr überhaupt Kleidung
  • wir achten bei Geräten auf die Energieeffizienzklasse

So weit, so wenig nachhaltig. Denn im Ergebnis bräuchte wir knapp 3 Erden, wenn jeder so leben würde wie wir. Krass!

Und noch krasser, dass ich aus der Nummer recht schwer rauskomme, als reiche, konsumorientierte, alles verfügbar habende Europäerin!

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Ein Tipp, den mir das Universum aber mitgegeben hat, war, meinen Fleischkonsum zu verringern. Das kam für mich zu diesem Zeitpunkt aber mal überhaupt nicht in Frage! Fleisch ist das wichtigste Lebensmittel überhaupt! Dachte ich.

Heute denke ich, Fleisch ist mit das wertvollste Lebensmittel überhaupt. Es gibt so gut wie keine hochwertigeren Proteine. Und dennoch verzichte ich darauf. Zuerst hat mich vor allem Schweinefleisch angeekelt und ich habe es für mich vom Speiseplan gestrichen. Schuld daran war aber nicht das schlechte Umweltgewissen, sondern eigentlich mehr die ekelhafte Massentierhaltung.

So wichen immer mehr Fleischsorten bis ich zuletzt auch auf mein geliebtes Lammfleisch verzichtet habe. Das ist jetzt drei Monate her.

Seitdem ernähre ich mich eigentlich nicht vegetarisch, sondern pescetarisch, ich verzichte also ausschließlich auf Fleisch. Fisch esse ich ab und an und Milchprodukte sowie Eier auch.

Mein Mann isst brav mit, wenn es Seitanschnitzel und Co. gibt, aber auf Fleisch verzichten kann er nicht. Das ist für mich auch ok, denn es gibt eben andere Lebensentwürfe und ich sehe es schon als Vorteil, als Paar nicht mehr diese Massen an Fleisch zu konsumieren. Auch kleine Schritte können schon etwas bewirken. Und meine Mutter ist mit über 70 erst zur Vegetarierin geworden! Veränderungen brauchen manchmal eben Zeit und sind darüber hinaus wirklich so gut wie immer möglich!

Mittlerweile konnte ich meinen Erdenverbrauch runterschrauben. Denn mit 8,59 Tonnen CO2 liege ich weit unter dem bundesdeutschen Durchschnitt. Der Test lobt mich dafür sogar und sagt:

Würde die gesamte Weltbevölkerung so vorbildlich leben, bräuchten wir nur 2,08 Planeten!

Wie bitte? Das ist nun wirklich kein Grund zur Freude. Denn 2,08 Erden sind halt immer noch 1,08 Erden mehr, als wir zur Verfügung haben.

Ich arbeite also weiter daran, den CO2-Verbrauch zu reduzieren!

Hier geht es zum Test (mit Erdenverbrauch, WWF): WWF Klimarechner
Fundierter mit Tipps (Umweltbundesamt): Umweltbundesamt Klimarechner

Glücklich kochen

Falls Ihr – so wie ich – immer auf der Suche nach guten, kalorienarmen und leckeren Rezepten seid, habe ich hier eine Kochbuchempfehlung. Ich ging die Tage mal bei Thalia vorbei und bei den Sonderangeboten habe ich das hier gefunden, für 3,99:

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Also, das ist so ein tolles Kochbuch! Ich bin total begeistert. Und zwar nicht nur von den Rezepten, sondern auch von dem schönen, klugen, fettlogikfreien Intro. Kurz gesagt, sind Slow Carbs Kohlenhydrate, die für lange Sättigung sorgen. Im Buch sind aber auch immer Varianten für  Low Carb – Fans, falls man darauf achten möchte. Dabei wird nie behauptet, dass das oder eine andere Form der Ernährung die Ultima Ratio ist. Das finde ich sehr angenehm.

Sehr schön auch, dass bei jedem Rezept die Nährwertangaben stehen. Das ist heute leider keine Selbstverständlichkeit mehr in Kochbüchern. Darüberhinaus stimmen die Nährwertangaben auch! Da ich jede Mahlzeit tracke, kann ich das immer recht gut überprüfen. Und da hatte ich schon Kochbücher, bei denen ich die Angaben nicht nachvollziehen konnte.

Ich habe schon einige leckere Rezepte aus dem Buch gezogen, z.B. Karottenreis mit Lachs oder Reis-Feta-Bratlinge (eine super Resteverwertung für Reis!). Die meisten Rezepte sind dazu auch noch fleischfrei, bzw. lassen sich beliebig mit Fisch oder Fleisch kombinieren. Dazu gibt es aber auch noch Frühstücksrezepte, Snacks, Mitnehmessen für die Arbeit und Desserts.

Also so ein tolles Kochbuch hatte ich echt schon lange nicht mehr in der Hand! Absolute Kaufempfehlung!

Größenwahn

Die Kleidergröße ist ja enorm wichtig für unser Selbstwertgefühlt. Das wissen auch die Hersteller von Kleidungsstücken und passen sich entsprechend an. Früher gab es in etwa Größen von 36-46 oder S (36/38), M(40/42) und L(44/46). Heute gibt es Triple-XS (oder L), Queensize, Plussize, Petite, Curve, außerdem ist die Skala nach oben und unten ausgedehnt worden. So findet man im konventionellen Laden auch gerne mal Größe 32 oder Größe 48. Die Folge ist, dass man immer, und ich meine IMMER, Klamotten anprobieren muss.
Wie viele Frauen stand ich früher auf Online-Shoppen (schon allein wegen der Kleidergröße – finde mal was in 56 ohne dich in finanzielle Not zu stürzen oder wie die Taubenfütter-Omi aus dem Stadtpark auszusehen). Ich möchte gar nicht wissen, was das für den CO2-Ausstoß bedeutet hat. Denn wenn man beim Kleiderbestellen schon immer drei Größen mitbestellen muss, ist die Rücksendung natürlich vorprogrammiert. Das ist doch echt mal Käse für die Umwelt.

Natürlich kann man auch in Läden shoppen. Dafür darf man sich dann Zeit nehmen, denn Größe S bei H+M ist z.B. nicht gleich Größe S bei New Yorker. Passt mir eine Hose in Größe 36 bei C+A, kann ich mich bei Esprit (je nach Kollektion) in eine vergleichbare 40 oder 42 pressen. Den Abschuss macht für mich Tally Wejl, ein Klamottenladen, bei dem ich bis jetzt noch nicht weiß, ob er vielleicht nur für Kinder gedacht ist.

Ich kaufe ja ganz viel im Second Hand. Und ich habe im Schrank passende Klamotten von Größe XS bis XL hängen und liegen. Den Abschuss macht ein locker sitzendes Sweatshirt in Größe 176. Aber nichts, wirklich gar nichts toppt das hier:

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Das obere ist das Spinnenshirt von Dolce & Gabbana. Darunter liegt ein T-Shirt von New Yorker.

Dolce & Gabbana: Größe XL
Amisu (New Yorker): Größe XS

Das scheint ja irgendwie so ein Designerding zu sein. Dass bloß keine Fatties, also Menschen mit Kleidergröße über 42 ihre Klamotten durch die Gegend tragen! Das wäre ja! Ja, was eigentlich?

Moschino (im Bild Größe 42) sieht das übrigens ähnlich:

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Btw: Die Shirts stammen natürlich aus dem Second Hand.