Scharfe Zombies in Glitzerschuhen

Ich stehe vor einer wichtigen Entscheidung. Wahnsinnig gerne möchte ich „richtig“ mit dem Laufen anfangen. Aktuell wogge/walke -auf deutsch: schlaufe*  ich eher so und auch ganz unregelmäßig. Die Dunkelheit nervt mich dabei am meisten, denn wenn ich mal Zeit habe ist es entweder unmenschlich früh oder spät und zappenduster ist es sowieso. Ich laufe nicht so gern im Dunklen. Jetzt bin ich eigentlich kein unglaublich ängstlicher Mensch. Aber meine bevorzugte Lauf-App ist ZombiesRun und wie der Name schon sagt: Da tauchen Zombies auf und du solltest vor denen besser davonlaufen.

Das Tückische dabei ist allerdings, dass diese App wie ein Hörbuch oder ein Podcast funktioniert. Man hört also eine sehr spannende Geschichte, deren Hauptperson man ist und bewegt sich dazu. Das muss auch nicht zwingend Laufen sein. Gehen ist auch ok. Man muss dann halt nur ein bisschen schneller gehen, wenn die Zombiehorde auftaucht (hört man durch Ächzstöhnen und einer Ansage „sind nur 100 m hinter dir…“, so ungefähr, die App ist auf Englisch). Alternativ kann man die Zombies aber auch ablenken (mit zuvor gefundenen Items). Dann kann man weiter schlendern.

Nach mehreren Läufen unter verschiedenen Bedingungen bin ich zu zwei Erkenntnissen gekommen.

  1. Es entbehrt nicht einer gewissen Komik, wenn man ZombiesRun in einer großen Shopping Mall an einem Samstag Morgen, bevorzugt vor Weihnachten, „spielt“. Allerdings nur im Nachhinein! Man selbst wirkt in der nicht gerade kleinen Menschenmenge zunächst etwas paranoid. Die wogende Masse skurriler Personen scheint nämlich perfekt zu den Hust- und Würgtönen zu passen, die einem die App in die Ohren dröhnt, um ultimative Spannung aufzubauen. Man fühlt sich von (unfreiwilligen) Laienzombies geradezu belagert! Die Situation kann einem dann aber leicht aus den verkrampften Händen gleiten, wenn man z.B. bei Thalia instinktiv dem Hintermann in der Kassenschlange ein harmloses Buch („Das Seelenleben der Tiere“) aus der Hand schlägt, weil man das Gefühl hat, der ächzt einem gerade klassische Zombielaute ins Ohr. Null Verständnis übrigens bei den Umstehenden. Die Situation verbessert sich auch nicht durch ein gestammeltes: „Sorry, ich dachte, Sie sind ein Zombie.“
  2. Nur unwesentlich weniger unheimlich ist es übrigens, ZombiesRun in der Dunkelheit in einem unbelebten Stadtteil oder direkt irgendwo in der Natur zu spielen. Wer da mental wieder heil rauskommt, darf sich über seine psychische Stabilität freuen. Wer sich am Ende der Nacht wild grunzend mit einem aus der eigenen Unterwäsche gedrehtem ramboähnlichem Bandana, mit Wildbrombeersaft bemalten Kriegerstreifen auf den Wangen und  einem Speer aus Haselstrauchholz wieder in seiner Hood einfindet, kann zumindest seinen Ruf als exzentrischer Misanthrop behaupten.

Nun möchte ich wenigstens richtige Laufschuhe tragen, wenn ich meine Umwelt nachhaltig verstöre. Aber ich möchte möglichst keine Sahnehäubchen auf die „guck mal, da läuft die moppelige Zombietante“ setzen, in dem ich mir pinke und glizernd-blinkende Laufschuhe zulege. Was nicht so einfach ist, wenn ich mir das Angebot für „Damen“ in den diversen Sportschuhgeschäften so angucke.

Alternativ brauche ich aber eigentlich viel dringender eine Brille. Immerhin könnte eine anständige und moderne Sehhilfe die Angriffe auf meine Mitmenschen womöglich verhindern oder minimieren. Der eine oder andere sieht durch eine funktionsfähige Brille vielleicht nicht mehr so zombiemäßig aus**.

Ich bin weitsichtig. Alles was näher als ein Meter ist, wird nur vage wahrgenommen. Mit meiner jetzigen Brille kann ich noch recht gut lesen – wenn ich das Buch (Großdruck für Senioren) auf 50 cm Abstand halte. Die Idee meines geliebten Mannes, mir statt Brille einen Selfie-Stick zu holen, um dann auch mal alles aus meinem E-Book-Reader herauszuholen, ist zwar charmant (siehe obige Rufoptimierung), aber leider wenig praktikabel (ich denke z.B. ans morgendliche S-Bahn-Fahren).

Meine jetzige Brille ist ein Fielmann-Kassenmodell. Ja, Kassenmodell. Das gab es vor 20 Jahren noch! Quasi meine Kinderbrille!

Ach, wie auch immer. Welche Investition soll ich denn nun zuerst tätigen: Eine für den Durchblick oder eine zum Durchstarten? Will ich die Welt lieber klar sehen oder einfach vor ihr davonlaufen?

Schwere Entscheidung.

*Kofferwort aus Schlendern und Laufen
**Der Schuss könnte natürlich auch nach hinten losgehen.

 

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Autor: Katjalyse

Ich heiße Katja. Oder so ähnlich. Seit 2008 wohne ich in der norddeutschen Diaspora (Hamburg). Grund: Liebe. Bisher nicht bereut. Weder Liebe noch Hamburg. Ich blogge seit 2005, also schon ein paar Tage länger und unter verschiedenen Pseudonymen. Aktuell unter Katjalyse und auf dem Mitmachblog.

7 Kommentare zu „Scharfe Zombies in Glitzerschuhen“

  1. Schwierige Entscheidung, kommt drauf an, was dir wichtiger ist. Ich hatte eben erst eine ähnliche Problematik: neue Winterjacke, weil alte zu groß und ganz alte noch nicht passend, sodass ich aktuell wie eine Zwiebel rumlaufe, um mich nicht zu frieren, oder eine neue Brille. Hab mich dann für die Jacke entschieden, da die alte Brille mal noch geht bzw die Kontaktlinsen es auch tun. Aber die Entscheidung fiel mir auch mächtig schwer 😒

    1. Ich glaube, ich sondiere heute mal die Lage. D.h. ich schleiche mal um Apollo und Runners Point rum und gucke, ob mich da was anlächelt. Glücklicherweise befinden sich beide in besagter Shopping Mall.

  2. Ohooo .. schickes neues Design!

    Dachte zuerst, ich bin auf der falschen Seite 😉

    Also ich bin für Brille … *nuschel* mag aber auch nicht gern Laufen … und vielleicht, vielleicht nehme ich mir dann ein Beispiel dran – ich hab nämlich meine Worddokument langsam auf 200 % auf dem Bildschirm, um sie bequem und brillenlos lesen zu können *flöt*

    PS.: WARUM kann ich keine Benachrichtigung auf diesem Weblog machen?! Ich bekomme einfach keine Bestätigungsmail! 😦

    1. Hihi, den Trick kenne ich auch… auf dem Smartphone wird es dann aber schon abenteuerlich.. 😦 Mein geliebter Gatte holt mich gleich ab, er will jetzt nämlich auch eine neue Brille. Wir suchen also gleich gemeinsam den Optiker auf. Wer weiß, wo das hinführt, wenn wir uns dann BEIDE endlich mal richtig sehen können? 😀
      Wegen der E-Mail guck ich mal zuhause, ob ich da irgendwas verpflanzt habe.

    2. Ich hab das jetzt getestet, in dem ich mir nun selbst folge. Und – das ist echt doof – eine Bestätigungsmail hab ich auch nicht bekommen. -.- Bei anderen Blogs aber schon, wenn ich denen per E-Mail folgen will. Wobei auch da ein, zwei dabei waren, wo es nicht geklappt hat. Sehr verwunderlich. Allerdings bekam ich eine Nachricht über meinen neuen Beitrag als Mail. Vielleicht fängt der Spamfilter die Bestätigungsmail in manchen fällen ab? Sonst kann ich mir das echt nicht erklären.

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