Frau Quijote und die Windmühlen

Die letzten Wochen war ich immer mal wieder beruflich unterwegs, weshalb ich mich hier ein wenig rar gemacht habe. Dazu kam, dass die Arbeit am Heimatort dummerweise nicht weniger wurde. Wer hätte das gedacht…

Aus irgendeinem verrückten Grund bin ich nämlich Frau Wichtig – oder, wie ich mich gerne und meiner Meinung nach treffender nennen möchte: Frau Quijote. Es gibt nämlich gewisse Ähnlichkeiten. Gut, ich bin kein adeliger Mann aus Spanien und habe auch keinen Diener und womöglich bin ich auch eher Rosinante, der Gaul (aber ein dürrer, wohlgemerkt! – naja, also auch nicht der Gaul).

Auf jeden Fall habe ich einen Hau in der Birne, wie eben jener berühmte Hidalgo aus „irgendwo in Spanien“. Ich kämpfe andauernd gegen Windmühlen und aus mir nicht bekannten Gründen, muss ich ständig über irgendwelche Hürden hüpfen. Da ist etwas, das mir Stress verursachen könnte? Her damit!

Heute habe ich gelernt, dass es tatsächlich „solche Menschen“ gibt, also die, die Stress suchen und ihn als Herausforderungen sehen. Challenges, wie ich das gerne hier und auch sonst nenne. Stress, der gute jedenfalls, scheint mir irgendwie etwas zu bedeuten.

Neben meinen zwei Tätigkeiten in der Leitung und im QM studiere ich nämlich auch noch. Warum? Weil ich Bock dazu habe und aus mir nicht bekannten Gründen nicht anders kann. Ich könnte in meinem schon ein paar Jahrzehnte andauernden Leben die Jahre an meinen Händen abzählen, in denen ich nicht auf einer Schule oder Universität oder sonstigen Akademie war und irgendetwas versucht habe zu lernen.

Und weil mir womöglich in den zwei Minuten Freizeit pro Woche langweilig werden könnte, habe ich im Oktober vergangenen Jahres angefangen, Spanisch zu lernen. Weil.

Ja. Weil. Irgendwann, vor 20 Jahren, zwischen meinem (abgebrochenem) Erst- , (abgebrochenem) Zweit- und vor dem Drittstudium (done), hatte ich als Nebenfach mal zwei Semester Spanisch studiert. Hängen geblieben ist in etwa „¡Hola! Una cerveza… „. Achja, „¡por favor!„, ich bin ja ein höflicher Mensch. Und nun bieten wir bei mir an der Akademie Spanisch an und da dachte ich, _HALT_ ich dachte eigentlich gar nicht, ich hab es einfach gemacht und mich in den FORTGESCHRITTENEN-Kurs gesetzt. Weil, Anfänger wäre ja zu WENIG stressig…

Nun sitze ich da und wusste bis vor kurzem gar nicht, warum ich eigentlich diese Sprache lerne. Im Kurs radebreche ich rum, verwechsle ständig Spanisch mit Französisch (das ich btw gar nicht so gut kann) und es fallen mir die Wörter grundsätzlich in ALLEN anderen Sprachen ein, nur nicht in dem verdammten Spanisch. Hört sich jetzt so an, als könnte ich wahnsinnig viele Sprachen. NEIN, ich kann nur in wahnsinnig vielen Sprachen ein Bier bestellen! Oder einen Aschenbecher.

Und dabei trinke und rauche ich noch nicht einmal.

Ich erinnere an dieser Stelle an Don Quijote.

Dabei bin ich womöglich eher ein Salvatore wie im „Namen der Rose“, ein armer Teufel, der alle möglichen Sprachen irgendwie spricht, aber keine so richtig.

Aber warum lerne ich nun zum zweiten Mal Spanisch? Bis auf entfernteste Ahnen habe ich gar keinen Bezug zu diesem Land. Ich war da nie, wollte da nie hin, fand es eigentlich nicht sonderlich attraktiv und die Sprache gefällt mir gar nicht so sehr. Da hätte ich lieber Polnisch lernen wollen, das mag ich von der Melodie viel lieber (und das Land wäre auch näher).

Als ich die Tage so am Balkon saß und in meinem Spanischbuch rumblätterte, habe ich mir zum ersten Mal die große Karte von Spanien auf den Einbandinnenseiten angeguckt. Und dann erinnerte ich mich, dass ich tatsächlich doch schon mal in Spanien war. Ich erinnere mich an einen Stier aus Pappe, der immer mal wieder am Straßenrand zu sehen war, ich erinnere mich an Blumen und grünes Wasser. Stellt sich raus, der Stier war Werbung für Veterano Osborn und die Blumen und das grüne Wasser waren in einem Garten in der Alhambra. Man merkt schon, was mich beeindruckt hat und was hängen blieb. Dumm nur, dass ich da erst drei Jahre alt war.

Und als ich die Karte so betrachte und das grüne Wasser vor mir sehe, kommt mir eine wahnwitzige Idee. Jetzt, wo ich verdammt gut ein Bier auf Spanisch bestellen kann (und einen Aschenbecher!), könnte ich da ja mal echt hinfahren! Mit dem Ehegatten! Einfach so!

Und wenn ich mit Spanisch durch bin, lerne ich dann, ein Bier auf Chinesisch zu bestellen.

Nach China wollte ich nämlich schon immer mal.

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Autor: Katjalyse

Ich heiße Katja. Oder so ähnlich. Seit 2008 wohne ich in der norddeutschen Diaspora (Hamburg). Grund: Liebe. Bisher nicht bereut. Weder Liebe noch Hamburg. Ich blogge seit 2005, also schon ein paar Tage länger und unter verschiedenen Pseudonymen. Aktuell unter Katjalyse und auf dem Mitmachblog.

4 Kommentare zu „Frau Quijote und die Windmühlen“

  1. Weil Du spanisch lernst (und nicht mal wirklich weißt warum) muss ich also mit dir ins (mir meist zu warme) Spananien(sic!). Tust Du mir bitte einen Riesengefallen und besprichst mit mir ab sofort, BEVOR Du anfängst etwas zu lernen? Nicht, dass Du einen Volkshochschulkurs „veganes Kochen“ belegst. Auch werde ich ab sofort misstrauisch wenn Du einen Roman liest, aus vielen Gründen..

    Wo bin ich bei dieser Ehe nur rein geraten?

    Aber was soll ich tun, ich liebe sie einfach

  2. *hüstel*

    Ich hab auch mal zweieinhalb Jahre spanisch gelernt, weil .. ja weil… !!

    Also der Ursprung war schon ein Witziger – ein Freund von mir meinte mal, er wollte schon immer gern Spanisch lernen. Und ich meinte dann, das sei doch kein Problem, er könne doch zur Volkshochschule.. Er meinte dann, ja, das sei ja theoretisch schon möglich, aber.. Und ich:“Ich komm auch mit! Komm, lass uns doch einfach gemeinsam spanisch lernen!“ .. und so geschah es – dabei hab ich eigentlich nicht so das Sparachtalent, im Gegenteil, meine Französischlehrerin hat nicht nur mehrfach betont, wie extrem SCHLECHT ich in der Aussprach bin und sondern teilte mir auch mit, dass sie noch NIE so ne schlechte Note bei der ersten Klassenarbeit vergeben hat..

    Ich hatte aber wirklich viel Spaß beim Spanischkurs – auch wenn ich manchmal wirklich schlecht war udn die Klasse was zu lachen hatte mit mir, hat es mir ecth Freude gemacht. Wir hatten auch ne super Lehrerin.. nur bin ich dann irgendwann ausgestiegen. So ohne aufwendiges Lernen ging es dann gar nimmer und ich hab irgendwie nicht genug Zeit investiert und dann halt den Anschluss und somit auch den Spaß verloren..

    Und heute kann ich noch: „Hola, Guapo! Que tal?“ – „Haga el favor de no molestarme??“ 😉
    (Hallo, Hübscher! Wie geht’s?“ .. „Hätten Sie die Güte, mich nicht zu belästigen??“)

    .. das mit den WIndmühlen kenn ich auhc zu gut. Udn auch, immer noch eins drau fzu packen.

    Im Moment lerne ich tatsächlich auch mal „nein!“ zu sagen. Ist ein erstaunliches Gefühl. Sehr, sehr ungewohnt.

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