Langsames vs. schnelles Abnehmen

Mit Erreichen eines Gewichts so um die 75 kg habe ich beschlossen, etwas langsamer abzunehmen. Oder, anders gesagt: wieder mehr Kalorien zu mir zu nehmen. Damit stieß ich bei meiner Umwelt auf hohe Akzeptanz, da zuletzt ganz entsetzt reagiert wurde, wenn ich erklärte, dass ich noch ca. 8-10 kg abnehmen möchte:

„Dann wiegst du viel zu wenig! Das ist niemals gesund!“

„10 kg? Spinnst du? Wo sollen die herkommen?“

„Du bist doch jetzt schon schlank, lass es lieber so. Nicht dass du magersüchtig wirst!“

Wenn ich darauf antwortete, dass es mir primär um Fettabbau gehe und ich nur noch „Fein-Tuning“ betreibe und außerdem jetzt auch langsam abnehmen werde, verstummten die kritischen Stimmen meist.

Weil, langsam abnehmen hört sich ja vernünftig an.

9 Monate lebte ich von ca. 1000 kcal und weniger und nahm dadurch wöchentlich zwischen 1,5 kg und  1 kg ab. Dann fing ich an, mein Kalorienziel auf 1500 kcal täglich hochzuschrauben. Rein theoretisch hätte ich dadurch wenigstens ein halbes Kilo pro Woche verlieren müssen.

Tatsächlich verlor ich vom 1.4. 2017 bis heute, also ca. in 11 Wochen, genau 1,3 kg. In diesen 11 Wochen schwankte mein Gewicht halsbrecherisch, so hatte ich am 29.4. 71,7 kg kg, am 12.5. 74,5 kg und am 26.5. wieder 71,5 kg.

Dieses Rumgeeiere ging mir die Tage so auf den Zeiger, dass ich beschlossen habe, wieder weniger zu essen und dadurch schneller abzunehmen. Das klappt bisher ganz gut. Ich glaube nämlich, dass mich das Aufweichen der Regeln nachlässig hat werden lassen. In vielerlei Hinsicht! Dadurch schlichen sich Fehler ein, die beim Abnehmen auf die Bremse drückten.

Mein Fazit: Langsames Abnehmen ist viel schwerer als schnelles! Es wirkt demotivierend und führt meiner Meinung nach viel leichter zum Schummeln und damit zu einem Abbrechen der Diät (getreu dem Motto „bringt ja eh nichts“).

Meine Fehler (ich möchte nicht verallgemeinern, der eine oder andere kann mit langsamen Abnehmen durchaus Erfolge erzielen, mein wunderbarer Ehemann z.B.):

  • Nicht mehr täglich wiegen: Ich war schludrig, was das anging. Das führte dazu, dass mich die starken Gewichtsschwankungen total demotiviert haben. Ich kann nicht verstehen, warum vom täglichen Wiegen abgeraten wird. Hätte ich mich nur wöchentlich, z.B. am Sonntag gewogen, sähe meine Tabelle so aus:
    72,8 – 73,7 – 73 – 74,8 – 71,7 – 73,5 – 73,1 – 73,4 – 72,2 – 71,9 – 72, 2 (Anfang April bis Anfang Juni). Spätestens in der 4. Woche hätte ich ohne Wissen um die täglichen Schwankungen bei 74,8 kg das Handtuch geschmissen („funktioniert bei mir nicht“)!
  • Falscher Gesamtumsatz: Hier ist es wirklich, WIRKLICH wichtig, ehrlich zu sich zu sein. Mache ich 1-3 x die Woche Sport? Eher nicht ! Bin ich sonst aktiv? In meinem Bürojob? Wohl kaum. Suche ich mir im Netz den Rechner aus, der mir die höchsten Werte ausspuckt? Ich orientiere mich jetzt lieber an der (uralten) Faustregel: pro kg Wunschgewicht x 30 (Männer 32) (z.B. 64 kg * 30 = 1920 kcal Gesamtumsatz). Dann gewünschtes Defizit wählen.
  • Kein Sport: Sport wirkt bei mir als Essbremse, also im Grunde doppelt! Ich verbrenne Kalorien, baue Muskulatur auf und vergesse jedes Hungergefühl. Dazu entspannt mich Sport total. Warum habe ich es einschleifen lassen, dass ich kaum noch aktiv war?
  • Kalorien schätzen und nicht tracken: Ich habe mehrere Wochen meine Kalorienzufuhr geschätzt und habe nichts mehr in mein Kalorientagebuch eingetragen. Als ich das dann doch mal gemacht habe, war ich ratzfatz bei 2000 kcal. Davon nehme ich nicht zu. Aber eben auch nicht ab!
  • Frühstücken: Irgendwann habe ich (leider stressbedingt) angefangen, so gegen 10 etwas zu essen. Keine gute Idee. Bei mir führt das frühe Essen zu deutlich mehr Hunger über den Tag. Wenn ich dagegen um 12 die erste Mahlzeit zu mir nehme, hält das oft bis zum Abendessen vor.
  • Zu wenig trinken: Die starken Schwankungen kamen mit hoher Wahrscheinlichkeit von Wassereinlagerungen. Die entstehen aber eben auch dadurch, dass man zu wenig trinkt!
  • Man kann sich ja mal was gönnen: Klar, dagegen spricht absolut nichts. Nur darf man sich dabei nicht selbst behumpsen (Ich bin heute in den 6. Stock zu Fuß! Das ist bestimmt einen Proteinriegel wert!). Solche „Sünden“ sollte man tracken, auch wenn das kalorientechnisch schmerzhaft ist, aber wenigstens weiß man dann, warum man am nächsten Tag mehr wiegt (ist zwar nur Wasser, kein Fett – nervt aber trotzdem).
  • Essen als Stresskompensation: Ich hatte die letzten Wochen vermehrt Stress. Als „Belohnung“ habe ich mir dann Essen gegönnt. Zwar immerhin nicht das Maximalböse, sondern zuckerfreie Protein- oder Müsliriegel, aber auch diese Snacks haben natürlich Kalorien.
  • Essen zu jeder Zeit: Nicht nur das Frühstück hat mich gebremst, auch das Essen, wann immer mir danach war (Stichwort intuitiv). Ich brauche feste Zeiten: (1) nichts bis 12 Uhr, (2) nichts bis 15 Uhr, (3) nichts bis 19 Uhr, (4) nichts nach dem Abendessen!
  • Zu wenig Protein: Ich habe überhaupt nicht mehr darauf geachtet, genug Proteine zu essen. Statt dessen habe ich mir ab und an Brioche und Milchbrötchen gegönnt. Ich verdamme Kohlenhydrate nicht. Aber in dieser „leeren“ Form tragen sie eben auch nicht zu einer guten Abnahme bei.

Ich bin nun dabei, mich wieder deutlich mehr zu disziplinieren. Zwei „Neuerungen“ helfen mir dabei:

  1. Ich mache eine Stresstherapie (online über die Fernuni Hagen, dort bin ich in einer Versuchsgruppe, die Therapie wird noch nicht offiziell online angeboten)
  2. Ich nutze eine sehr empfehlenswerte App namens Habitica! Diese App (oder Website) hilft, Gewohnheiten zu etablieren bzw. Aufgaben zu bewältigen. Das ganze geschieht sehr spielerisch, ähnlich wie bei einem Rollenspiel und wirkt dadurch ausgesprochen motivierend! Auf der dazugehörigen Plattform gibt es dazu auch noch Wettbewerbe (z.B. „Food tracking Challenge June“ oder „100 Stockwerk Challenge“ usw.), bei denen man etwas gewinnen kann.

Schlusswort: Ich bin wieder voll dabei! Ich mache wieder Sport und bejuble meinen Muskelkater! Ich schaffe auch den Rest!

Advertisements

Autor: Katjalyse

Ich heiße Katja. Oder so ähnlich. Seit 2008 wohne ich in der norddeutschen Diaspora (Hamburg). Grund: Liebe. Bisher nicht bereut. Weder Liebe noch Hamburg. Ich blogge seit 2005, also schon ein paar Tage länger und unter verschiedenen Pseudonymen. Aktuell unter Katjalyse und auf dem Mitmachblog.

7 Kommentare zu „Langsames vs. schnelles Abnehmen“

  1. Die aufgezählten Fehler kommen mir irgendwie bekannt vor … 😉
    Ebenso erlebe ich es so, dass ganz langsames Abnehmen schwieriger ist. Wenn ich einen strikten, engen Plan habe, komme ich gar nicht erst auf die Idee mit den „Freiheiten“.
    Schöner Beitrag – und Habitica schaue ich mir jetzt mal an.
    Einen feinen Sonntag noch!

  2. kann mich diesen Fehlern nur anschließen. Ich bin zwar noch weit von der Ziellinie entfernt aber die Schludrigkeit merke ich auch schon wieder….man beginnt sich wohler zu fühlen und dann darf man doch mal.
    Tägliches *wiegen* jahrelang verpönt aber ehrlich ichgehöre auch zu der Kategorie der es hilft…also ich guck jetzt auch mal Habitica und schliess mich der -Gruppe -Durchstarter an. Lass es dir gutgehen:-)

    1. Vielen Dank! Und ganz viel Erfolge auf Habitica. Ich nutze das mittlerweile auch auf Arbeit und plötzlich vergesse ich viel weniger. 😀 Ich bin nämlich sonst so eine Zettel-Notiererin. Wobei Zettel quasi alles ist, was irgendwo rumliegt. Mit dem Ergebnis, dass ich nichts mehr wieder finde. Und zuhause gieße ich jetzt sogar regelmäßig die Blumen! Hätte ich nie gedacht. 😀

  3. Hm .. muß ja gestehen, dass ich gern in den 70ern schwanken würde .. *hüstel*

    Deine Liste kommt mir sehr bekannt vor .. und die Stresstherapie hört sich sehr, sehr interessant an! Mit Sport ist bei mir auch seit ein paar Monaten echt Essig. Und schnelles Abnehmen fände ich persönlich auch echt so viel schöner *schnüff*
    .. nur leider find ich auch Essen schön. Schokolade. *hmmmm* *leiserumnöhl*

    Da ich leider mit so richtig heftigen Kalorieneinschränkungen ziemlich Probleme hab (zum Dran halten bzw. verwirklichen, nicht körperliche Beschwerden), sollte ich mich wohl auf den Mehrverbruch stürzen. Schätze, ich schaff mir wieder nen Schrittzähler an – das wäre der erste Schritt. Der Zweite Schritt führt mich dann ins Fitnessstudio! So! Und jetzt geh ich zum Essen .. vielleicht nehm ich die Treppe. Ist immerhin im 5. Stocke, die Kantine .. und das ist übrigens mein erstes Essen heut 😉

    Du bist echt mein großes Vorbild … echt Granate, was Du so reißt! *Daumenhoch*

    1. Ich hätte früher auch nie gedacht, dass ich das aushalten kann, geschweige denn steuern. Ich weiß auch immer noch nicht genau, warum es funktioniert, aber ich vermute, dass hauptsächlich das Weglassen von Süßkram und den besagten „leeren“ Kalorien (lecker Brioche-Brötchen, boah, da könnte ich einen Arm hergeben für!) dafür verantwortlich ist. Dadurch verschwindet halt echt der Heißhunger. Das Fitnessstudio ist auch eine Option für mich, aber ich trau mich da noch nicht so recht… bist Du da schon? Ich bin momentan ganz happy mit meiner Jillian Michaels App, weil die so schön in 5 Minuten Häppchen aufgeteilt ist. 5 Minuten schafft man immer (und wenn man dann schon mal die Klamotten an hat und schwitzt, kann man auch weiter machen – Schweinehund ausgetrickst sozusagen).
      Die Stresstherapie war ein mega Glücksfall! Gerade jetzt, wo ich auf dem Zahnfleisch gehe und ständig rum reisen muss usw. war das wie ein Wink des Himmels. Und dann hatte ich noch Glück und wurde in die 1. Testgruppe gewählt, d.h. ich durfte gleich anfangen. Der erste Termin/Tag war dann aber schon sehr ernüchternd. Als erstes sollte ich eine Stressanalyse machen, also quasi _JEDE_ Stress-Situation aufschreiben. Mein Blatt war (vorne und hinten) um 11 Uhr vormittags schon voll.. und das hat mich total gestresst. 😵
      Aber irgendwie habe ich dann den Sinn darin erkannt und konnte richtig mit der Therapie anfangen. Die Idee ist halt schon super, man hat einen echten Therapeuten, mit dem man chatten oder schreiben kann und reale Aufgaben bzw. Auswertungen. Vielleicht kommt das dann ja irgendwann für alle online. Noch bin ich ja ein Testmäuschen…
      Und danke, danke für das tolle Kompliment 😚 *rotwerd*.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s