Katja im Wunderland

Heute. New Yorker.

Ich: (T-Shirt hoch haltend) Können Sie mir sagen, ob Sie noch mehr von  diesen Shirts haben?
Verkäuferin: Mmh, ja, da hinten auf dem Ständer müssten noch welche sein. Ich zeig sie Ihnen. Ist das zu groß?
Ich: Ja, leider.
Verkäuferin: (Geht zum Kleiderständer, sucht…) Tut mir leid, in XS haben wir das leider nicht mehr.

Vor einem Jahr. U-N-D-E-N-K-B-A-R.

 

 

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Busenfeinde

Ich habe Busenfeinde. Genaugenommen – auch wenn ich jetzt den Spannungsbogen schreddere: ich HATTE Busenfeinde. Jetzt bin ich sie los. Dank des besten Ehemanns und einer Musicaldarstellerin.

Die meisten Frauen haben übrigens Busenfeinde. Du vermutlich auch, wenn du eine Frau bist. Und ganz besonders, wenn du keine Normfrau bist. Normfrauen sind die 0,0001 % der weiblichen Weltbevölkerung, die z.B. maßgeblich dafür verantwortlich sind, dass wir pinke Autos fahren sollen, die zwar kaum PS, dafür aber Schminkspiegel verbaut haben. Normfrauen sorgen auch für die Dosierung von Medikamenten, die uns Nichtnormfrauen fett und pickelig werden lassen und für Feinstrumpfhosen, die in Größe 40 nur bis zu den Knien hochzuziehen sind. Außerdem verdanken wir ihnen den Anti-Pups-Joghurt, den wir anscheinend täglich essen müssen, um nicht wie ein Ballon davon zu fliegen.

Normfrauen bescheren uns zudem Busenfeinde. Du ahnst es schon. Ich rede von BHs. Genauer von BH-Größen. Der Normfrau-BH reicht von 75 B bis 85 D und passt damit so ziemlich genau nur Normfrauen. Die Restfrauen glauben, in Normfrauen-BHs zu passen und ignorieren Doppelbrüste, Rückenschmerzen, Wackelpudding, rutschende Träger, Falten, Hängebrüste und Atemnot.

Angeblich tragen 60 – 70% der Frauen die falsche BH-Größe. Und das ist kein Wunder, denn wenn man keine Normfrauenmaße hat – so wie ich – sind die Größenvorschläge, die Wäscheberater so ausgeben, wirklich verwirrend. Ich trage z.B. laut verschiedener Rechner folgende Größen: 85 A, 75 B, 70 F, 32 F, 80/90, 70 G, 65 G, 65 J.

Die Kennerin sieht sofort, dass ich damit echt gute Chancen habe, in einem normalen Geschäft einen passenden BH zu finden.

Durch die Abnahme ist mein Busen stark geschrumpft, von 105 cm Unterbrustumfang und 128 cm Brustumfang auf 72 cm / 89 cm. Viel mehr wird da jetzt nicht mehr verschwinden. Also dachte ich, kann ich mir ja mal einen BH kaufen, der mein „Ist-ja-nur-für-kurze-Zeit“-Budget von 10 Euro überschreitet.

Auf diesen Gedanken kam ich aber nicht alleine. Alle Standard-BHs, die ich nämlich so getragen habe, waren im Grunde total überflüssig, weil sie überhaupt nichts gehalten haben. Ich vermeide das Wort HÄNGEN. Auch gedanklich! Darauf angesprochen hat mich dann aber mein lebensmüder, jedoch mutiger Ehemann, der oftmals Worte ausspricht, die am „Formulier das um Himmels Willen anders“ – Filter irgendwie vorbeiflutschen.

Ein paar Tage später wagte ich mich also – ohne Ehemann – in ein Wäschegeschäft, das mit ungewöhnlichen Größen wirbt. Dort hat mich dann besagte Musicaldarstellerin vermessen und mir Größe 65 G – 70 H empfohlen. Sie hat mir ein paar BHs in diesen Größen rausgesucht und ich durfte anprobieren. Kaum hatte ich den ersten an, passierte genau das, was ich befürchtet habe und weshalb ich früher nie in solche Geschäfte gegangen bin. Ich hatte nur vergessen, warum.

RATSCH – sie reißt den Vorhang auf und beäugt mich mit skeptischem Blick.  Leute, ich bin nicht gerade Frau Selbstsicher, was meine neue Optik angeht. Schon gleich gar nicht halbnackt!

Natürlich ist sie ganz professionell und erklärt mir – am Anschauungsobjekt Katja – warum das Unterbrustband wirklich straff sitzen soll (es trägt 80% der Last!) und welche Form der Körbchen für mich geeignet sei.

Nach dem ersten Schock und den Sekunden, die ich brauchte, um über das Gefummel einer fremden Frau an meinen Brüsten hinwegzukommen, bin ich ziemlich erstaunt. Ich habe plötzlich ein Dekolleté und alles sitzt fest. Mein Busen ist quasi gefühlt 20 cm höher und sitzt jetzt knapp unter dem Kinn. Und das ist nur leicht übertrieben.

Ich darf noch andere Modelle probieren. Für das Umziehen von BH zu BH gönnt die Königin der Löwen mir dabei jeweils 3 Sekunden Privatsphäre, bevor sie wieder den Vorhang aufreißt und ich mit Schnappatmung hilflos versuche, meine Blößen irgendwie zu verstecken. Nach dem dritten Modell kann ich verdammt schnell einen BH an und ausziehen! Selbst die Musicaldarstellerin ist beeindruckt: „Wow, sie können den aber schnell schließen – ich habe bestimmt 10 Jahre gebraucht, bis ich das so blind geschafft habe!“

Sagt die 20-jährige Sissi. Ich verpasse den Alterskonter, weil ich mich fasziniert im Spiegel betrachte und selbstverliebt an meinem Busen rumgrabsche.

Ich ziehe mein Oberteil drüber und latsche im Laden rum. Zum Glück bin ich alleine, denn ich mache Ausfallschritte, Kniebeugen, ich gehe wie Quasimodo, wackle wie Josephine Baker und berühre dann meine Zehen. Also ganz so, wie ich mich im Alltag bewege… Dazwischen fummle ich an meinen Brüste rum und bin ganz begeistert, wie fest und voll die sich anfühlen. Zum Glück ist es draußen schon leer, kaum Passanten – die würden mich ja für voll bekloppt halten, denke ich, während ich voll bekloppt Hampelmänner hüpfe.

Das Phantom der Oper bleibt ganz cool und entpuppt sich als super nett. Wir quatschen über BH-Farben und Klebe-BHs, die sie auf der Bühne tragen musste und die immer zum Hals hoch gerutscht sind. Ihre Verkaufsstrategie geht jedenfalls auf. Ich lasse einen dreistelligen Betrag da und nehme dafür zwei BHs mit.

Ich bin glücklich, der Mann ist glücklich, der Starlight Express ist glücklich. Unser Konto nicht so. Und meine Busenfeinde auch nicht. „Lass sie uns zerschneiden und verbrennen!“ sagt der beste Ehemann.

Ich betatsche stolz meinen Busen* und nicke.

* ich arbeite daran, mir das abzugewöhnen – vor allem in der Öffentlichkeit.

ES läuft!

Ich bin noch da. Irgendwie. Aber eigentlich bin ich ziemlich viel weg. Das liegt daran, dass mein Arbeitgeber gerade ein richtig, richtig großes Softwareprojekt umsetzt und ich maßgeblich an der Einführung beteiligt bin. So nebenbei bin ich studienortübergreifend nämlich auch im QM tätig.

Übersetzt heißt das, dass ich momentan und bis auf weiteres quasi wöchentlich zwischen Hamburg, Darmstadt, Mannheim und Heidelberg hin- und herpendle. Es heißt leider auch, dass es mir aktuell recht schwer fällt, ein großes Kaloriendefizit zu fahren. Dazu bin ich leider zu sehr Stress-Esser. Und nicht nur das Reisen bzw. das Projekt knappst an meinen Ressourcen, ich schreibe im September auch noch eine Klausur, für die ich Lernen sollte. Ein Glück, dass wir wenigstens gerade in Spanisch ferienbedingt pausieren.

Ich versuche, so gut es geht unter 1800 kcal zu bleiben. Das gelingt mir auch ganz gut soweit. Zusätzlich treibe ich fast jeden Tag Sport. Und ich kann gar nicht aufhören, darauf ein Loblied zu singen!

Ich L I E B E Sport!

Ich sehe die Resultate, ich spüre sie, ich fühle mich fit, ich schlafe trotz Stress gut, ich bin leistungsfähig, ich kann Stress abbauen und selbst wenn ich mich japsend, schweißtriefend und ausgepowert auf das Hotelbett werfe, fühle ich mich mit einem Mal total entspannt und sehr wohl.

Für jede/n Abnehmwillige/n da draußen: Sport hilft!

Besonders stolz bin ich, dass ich am 1.7.2017 tatsächlich mein erstes Rennen gelaufen bin – und wohlbehalten im Ziel ankam, trotz Regenguss! Ich war patschnass!
Auf dem Gruppenfoto habe ich mich erst einmal gar nicht gefunden. Ein Glück, dass ich meine rosa Glitzerschuhe anhatte.

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Auf dem Weg nach Hause – mit einem Umweg über ein Shopping-Center, inzwischen wieder trocken und mit dem blauen Finisher-T-Shirt am Leib, wurde mir mit einem Mal bewusst, was das eigentlich bedeutete. Ich bin bei einem Rennen mit gelaufen! Ich! Frau Ü100! Halt – ich bin ja gar nicht mehr Ü100! Seit über einem Jahr nicht mehr! Ich bin normalgewichtig! Ich trage Größe 36/38! Ich kann wieder schmerzfrei gehen! Ich kann sogar laufen! LAUFEN! ICH!!!

Und dann liefen mir plötzlich die Augen voller Tränen und kullerten an meinen Wangen runter. Auf der Rolltreppe im Shopping-Center stand ich da und heulte. Und als ich zuhause ankam und dem besten Ehemann in die Arme fiel, heulte ich weiter.

Weil ich so unglaublich glücklich war.

Langsames vs. schnelles Abnehmen

Mit Erreichen eines Gewichts so um die 75 kg habe ich beschlossen, etwas langsamer abzunehmen. Oder, anders gesagt: wieder mehr Kalorien zu mir zu nehmen. Damit stieß ich bei meiner Umwelt auf hohe Akzeptanz, da zuletzt ganz entsetzt reagiert wurde, wenn ich erklärte, dass ich noch ca. 8-10 kg abnehmen möchte:

„Dann wiegst du viel zu wenig! Das ist niemals gesund!“

„10 kg? Spinnst du? Wo sollen die herkommen?“

„Du bist doch jetzt schon schlank, lass es lieber so. Nicht dass du magersüchtig wirst!“

Wenn ich darauf antwortete, dass es mir primär um Fettabbau gehe und ich nur noch „Fein-Tuning“ betreibe und außerdem jetzt auch langsam abnehmen werde, verstummten die kritischen Stimmen meist.

Weil, langsam abnehmen hört sich ja vernünftig an.

9 Monate lebte ich von ca. 1000 kcal und weniger und nahm dadurch wöchentlich zwischen 1,5 kg und  1 kg ab. Dann fing ich an, mein Kalorienziel auf 1500 kcal täglich hochzuschrauben. Rein theoretisch hätte ich dadurch wenigstens ein halbes Kilo pro Woche verlieren müssen.

Tatsächlich verlor ich vom 1.4. 2017 bis heute, also ca. in 11 Wochen, genau 1,3 kg. In diesen 11 Wochen schwankte mein Gewicht halsbrecherisch, so hatte ich am 29.4. 71,7 kg kg, am 12.5. 74,5 kg und am 26.5. wieder 71,5 kg.

Dieses Rumgeeiere ging mir die Tage so auf den Zeiger, dass ich beschlossen habe, wieder weniger zu essen und dadurch schneller abzunehmen. Das klappt bisher ganz gut. Ich glaube nämlich, dass mich das Aufweichen der Regeln nachlässig hat werden lassen. In vielerlei Hinsicht! Dadurch schlichen sich Fehler ein, die beim Abnehmen auf die Bremse drückten.

Mein Fazit: Langsames Abnehmen ist viel schwerer als schnelles! Es wirkt demotivierend und führt meiner Meinung nach viel leichter zum Schummeln und damit zu einem Abbrechen der Diät (getreu dem Motto „bringt ja eh nichts“).

Meine Fehler (ich möchte nicht verallgemeinern, der eine oder andere kann mit langsamen Abnehmen durchaus Erfolge erzielen, mein wunderbarer Ehemann z.B.):

  • Nicht mehr täglich wiegen: Ich war schludrig, was das anging. Das führte dazu, dass mich die starken Gewichtsschwankungen total demotiviert haben. Ich kann nicht verstehen, warum vom täglichen Wiegen abgeraten wird. Hätte ich mich nur wöchentlich, z.B. am Sonntag gewogen, sähe meine Tabelle so aus:
    72,8 – 73,7 – 73 – 74,8 – 71,7 – 73,5 – 73,1 – 73,4 – 72,2 – 71,9 – 72, 2 (Anfang April bis Anfang Juni). Spätestens in der 4. Woche hätte ich ohne Wissen um die täglichen Schwankungen bei 74,8 kg das Handtuch geschmissen („funktioniert bei mir nicht“)!
  • Falscher Gesamtumsatz: Hier ist es wirklich, WIRKLICH wichtig, ehrlich zu sich zu sein. Mache ich 1-3 x die Woche Sport? Eher nicht ! Bin ich sonst aktiv? In meinem Bürojob? Wohl kaum. Suche ich mir im Netz den Rechner aus, der mir die höchsten Werte ausspuckt? Ich orientiere mich jetzt lieber an der (uralten) Faustregel: pro kg Wunschgewicht x 30 (Männer 32) (z.B. 64 kg * 30 = 1920 kcal Gesamtumsatz). Dann gewünschtes Defizit wählen.
  • Kein Sport: Sport wirkt bei mir als Essbremse, also im Grunde doppelt! Ich verbrenne Kalorien, baue Muskulatur auf und vergesse jedes Hungergefühl. Dazu entspannt mich Sport total. Warum habe ich es einschleifen lassen, dass ich kaum noch aktiv war?
  • Kalorien schätzen und nicht tracken: Ich habe mehrere Wochen meine Kalorienzufuhr geschätzt und habe nichts mehr in mein Kalorientagebuch eingetragen. Als ich das dann doch mal gemacht habe, war ich ratzfatz bei 2000 kcal. Davon nehme ich nicht zu. Aber eben auch nicht ab!
  • Frühstücken: Irgendwann habe ich (leider stressbedingt) angefangen, so gegen 10 etwas zu essen. Keine gute Idee. Bei mir führt das frühe Essen zu deutlich mehr Hunger über den Tag. Wenn ich dagegen um 12 die erste Mahlzeit zu mir nehme, hält das oft bis zum Abendessen vor.
  • Zu wenig trinken: Die starken Schwankungen kamen mit hoher Wahrscheinlichkeit von Wassereinlagerungen. Die entstehen aber eben auch dadurch, dass man zu wenig trinkt!
  • Man kann sich ja mal was gönnen: Klar, dagegen spricht absolut nichts. Nur darf man sich dabei nicht selbst behumpsen (Ich bin heute in den 6. Stock zu Fuß! Das ist bestimmt einen Proteinriegel wert!). Solche „Sünden“ sollte man tracken, auch wenn das kalorientechnisch schmerzhaft ist, aber wenigstens weiß man dann, warum man am nächsten Tag mehr wiegt (ist zwar nur Wasser, kein Fett – nervt aber trotzdem).
  • Essen als Stresskompensation: Ich hatte die letzten Wochen vermehrt Stress. Als „Belohnung“ habe ich mir dann Essen gegönnt. Zwar immerhin nicht das Maximalböse, sondern zuckerfreie Protein- oder Müsliriegel, aber auch diese Snacks haben natürlich Kalorien.
  • Essen zu jeder Zeit: Nicht nur das Frühstück hat mich gebremst, auch das Essen, wann immer mir danach war (Stichwort intuitiv). Ich brauche feste Zeiten: (1) nichts bis 12 Uhr, (2) nichts bis 15 Uhr, (3) nichts bis 19 Uhr, (4) nichts nach dem Abendessen!
  • Zu wenig Protein: Ich habe überhaupt nicht mehr darauf geachtet, genug Proteine zu essen. Statt dessen habe ich mir ab und an Brioche und Milchbrötchen gegönnt. Ich verdamme Kohlenhydrate nicht. Aber in dieser „leeren“ Form tragen sie eben auch nicht zu einer guten Abnahme bei.

Ich bin nun dabei, mich wieder deutlich mehr zu disziplinieren. Zwei „Neuerungen“ helfen mir dabei:

  1. Ich mache eine Stresstherapie (online über die Fernuni Hagen, dort bin ich in einer Versuchsgruppe, die Therapie wird noch nicht offiziell online angeboten)
  2. Ich nutze eine sehr empfehlenswerte App namens Habitica! Diese App (oder Website) hilft, Gewohnheiten zu etablieren bzw. Aufgaben zu bewältigen. Das ganze geschieht sehr spielerisch, ähnlich wie bei einem Rollenspiel und wirkt dadurch ausgesprochen motivierend! Auf der dazugehörigen Plattform gibt es dazu auch noch Wettbewerbe (z.B. „Food tracking Challenge June“ oder „100 Stockwerk Challenge“ usw.), bei denen man etwas gewinnen kann.

Schlusswort: Ich bin wieder voll dabei! Ich mache wieder Sport und bejuble meinen Muskelkater! Ich schaffe auch den Rest!

Nur ein Jahr

Im Februar 2016 war ich bei meinen 172 cm 120 kg schwer. Ich trug Kleidergröße 56 (oben) und 50 (unten), BH-Größe 105 F und Schuhgröße 41,5. Ich war 42 Jahre alt.

Fast alles, was ich zu dieser Zeit im Kleiderschrank hängen hatte, war schwarz. Diese Kleidung musste ich online kaufen, da es in normalen Bekleidungsgeschäften für mich kaum etwas zum Anziehen gab. Ich konnte auch nur noch flache Schuhe tragen, die möglichst breit sein mussten, sonst bekam ich meine aufgequollenen Füße abends kaum heraus. Mein Doppelkinn versteckte ich mit Halstüchern, auch im Hochsommer.

Schmuck, obwohl reichlich vorhanden, trug ich fast gar nicht mehr. Ringe brachte ich nicht mehr auf oder vom Finger, Ketten spannten über das Genick, Ohrringe, selbst die großen, wirkten verloren in meinem Gesicht.

Ich vermied, wo es ging, auf Fotos abgelichtet zu werden. Wenn ich auf der Couch saß, spürte ich meinen dicken Bauch und fühlte mich schwanger. Ich musste ihn weghieven, wenn ich aufstand. Socken und Schuhe konnte ich nur im Sitzen anziehen. Und ich konnte nur für wenige Sekunden in die Hocke gehen.

Es war mir nicht möglich, meine Arme vor dem Körper zu verschränken oder meine Beine beim Sitzen übereinanderzulegen. Bei Stühlen musste ich darauf achten, dass sie für über 100 kg geeignet waren. Ein Gartenstuhl, der das Kriterium nicht erfüllte, zerbrach unter mir.

Beim Duschen musste ich mich durch die Glastüre quetschen und beim Abtrocknen reichte kein einziges Handtuch um meinen Körper.

Saß ich in der S-/oder U-Bahn, konnte nur noch ein sehr schlanker Mensch neben mir sitzen. In Autos musste ich den Sitz weit nach hinten schieben. Wenn ich längere Zeit irgendwo saß, taten mir die Füße beim Aufstehen so weh, dass ich einige Schritte humpeln musste, bevor ich normal gehen konnte. Normal gehen konnte ich aber nur für ein paar 100 Meter. Der Weg von der Haltestelle zu mir nach Hause verursachte Beinschmerzen. Einkäufe erledigte ich mit Minimalbewegung und mit Hilfe von Bus und Bahn. Fahrstühle und Treppen waren meine besten Freunde, denn meine Knie begannen zu schmerzen, wenn ich Stufen nach unten stieg.

Ich dachte damals sogar, dass mich die mörderisch lange Treppe an der Haltestelle bei meiner Arbeit irgendwann einmal umbringen würde, da ich japsend, nach Luft schnappend, das mit einem Husten oder Lachen überdeckend, oben ankam und dabei das Gefühl hatte, das Herz springt mir gleich aus der Brust.

Ich begann, mich mit achtsamen Essen auseinanderzusetzen und versuchte, die zahlreichen Süßigkeiten, die ich konsumierte, wegzulassen. Ich nahm 3,5 kg ab.

Am 26.05.2016 las ich dann ein Buch. Dieses Buch heißt „Fettlogik überwinden“, geschrieben von Nadja Hermann.

Am 27.05.2016 begann ich, mein Leben zu verändern.

Heute, genau ein Jahr später, bin ich bei meinen 172 cm 71 kg schwer. Ich trage Kleidergröße 38 (oben und unten), BH-Größe 70 D und Schuhgröße 40,5. Ich bin 43 Jahre alt.

Das rechte Bild ist jetzt nicht der Burner. Ich wollte eigentlich nur die absolut coolen Wolken-Haargummis fotografieren, was sich als schwerer herausstellte als gedacht.

Ich möchte mich an dieser Stelle bei Nadja bedanken für dieses unglaubliche Geschenk! Dank ihr hat sich meine Lebensqualität, meine Gesundheit und meine Stimmung um ein vielfaches verbessert und zumindest rein statistisch hat sie mir auch ein paar Lebensjahre mehr verschafft! Darüberhinaus hat sie mir mit ihrem Buch auch gezeigt, dass man seinem Schicksal eben nicht hilflos ausgeliefert sein muss. Das ist eine Lektion, die durchaus übertragbar ist. Herzlichen Dank, Nadja!

Und ganz besonders bedanke ich mich beim bestesten Ehemann, der über die (großartigen) Comics von Erzählmirnix (auch Nadja) auf das Buch kam und es mir empfohlen hat. Seine Unterstützung und Liebe haben die Abnahme bis hierher begleitet, nebenbei hat auch er Kilos gelassen und wir machen gemeinsam weiter, bis wir unsere Ziele erreicht haben. ❤