Fit ohne Geräte – Oder wie man in kurzer Zeit Türen aus den Angeln heben kann

Im meinen Abnehmzielen habe ich festgeschrieben, dass ich mich bei Etappe 4a (<99 kg) mit einem Abo für’s Fitness-Studio belohnen möchte. Da ich über den Hochschulsport günstig Zugang zu drei Studios habe, davon eines bei mir um die Ecke, erschien mir das im wahrsten Sinne nahe liegend und sehr bequem.
Nun, das Abnehmziel habe ich längst erreicht, aber bis jetzt noch keinen Fuß in dieses oder ein anderes Studio gesetzt.

Warum?

Ich hatte bis vor kurzem ab und an Knieprobleme, weshalb ich die Belohnung auch an ein Startgewicht gekoppelt habe, von dem ich glaubte, dass es mich nicht zu sehr belasten würde. Beim Beugen des Beines (insbesondere beim Treppab-Steigen) hatte ich manchmal sehr starke Schmerzen, die nur durch (ebenerdiges) Gehen besser wurden.

Nun glaube ich daran, dass eine starke Muskulatur auf jeden Fall zuträglich ist, um Schmerzen zu vermeiden oder zu verhindern. Training war und ist für mich also unerlässlich. Dennoch habe ich mich vorerst gegen eine Mitgliedschaft im Hochschulsport entschieden, und zwar aufgrund zweiter „Ereignisse“:

  1. Seit über einem Monat nehme ich MSM
  2. Seit über einem Monat besitze ich das Buch „Fit ohne Geräte für Frauen“ von Marc Lauren und Joshua Clark

Ich möchte kein Loblied auf MSM singen und vielleicht beruht auch alles nur auf Zufall. Tatsache ist aber, dass ich, seit ich das Präparat (ein Kombipräparat mit Glucosamin und Chondroitin) nehme, keine Schmerzen mehr im Knie habe. Konnte ich noch vor ein paar Wochen nicht eine einzige Kniebeuge machen, nicht mal ein paar Zentimeter, schaffe ich jetzt, eigentlich sogar fast seit dem Tag der ersten Einnahme ohne Schmerz 30 tiefe Kniebeugen, sogar mit Gewichten über den Armen. Das ist für mich ein Wunder und wäre es nicht mir passiert, würde ich es nicht glauben.

30 tiefe Kniebeugen mit Gewichten über den Armen ist übrigens Level 5 im Buch „Fit ohne Geräte für Frauen“. Angefangen habe ich am 29.08. mit Level 1 in allen geforderten fünf Bereichen. Als ich das Buch durchblätterte, erschien es mir ehrlich gesagt ganz unmöglich, überhaupt jemals über Level 1 hinauszukommen.

Ich bin dick, aber nicht unsportlich. Dennoch oder gerade deswegen hatte ich vor dem Buch einen Heidenrespekt. Schließlich trainiert man mit dem Eigengewicht und das betrug bei mir zum Startzeitpunkt nur etwas weniger als 100 kg. Die Rezensionen bei Amazon lasen sich auch nicht wirklich gut für mich als dicke Frau. „Untrainierte können die Übungen nicht ausführen“, schreibt ein Leser, und ein anderer:  „Hausumbau wäre nötig, (…), wäre vielleicht gut, wenn dass Buch „Fit mit Möbeln und Hausausstattung“ heißen würde“ usw.

Das ist beides teilweise richtig. Hätte ich nie im Leben Sport gemacht, hätte ich vermutlich keinen Einstieg in diese Art des Trainings gefunden. Und ja, sich mit vollem Gewicht an eine Tür zu hängen, ist vielleicht bei 50 kg machbar, aber mit doppelter Last schon eine Frage der Stabilität der Tür (Wohnung, Haus, Stadtteil – ich hatte böse Domino-Effekt-Fantasien). Ich wohne in einem stabilen Altbau, zweimal habe ich mich daher getraut, die Anfängerübungen an der Tür abzuleisten. Dann habe ich mir eine Klemm-Klimmzugstange geholt, die mir seither unschätzbare Dienste erweist (und verdammt stabil ist!).

Die Übungen und auch der Aufbau der Übungen sind im Buch sehr gut erklärt, finde ich. Man trainiert über 4 Zyklen mit je 4 Wochen an jeweils 3 Tagen. Jeder Zyklus setzt einen anderen Schwerpunkt. Die Übungen selbst laufen intervallmäßig ab. Insgesamt trainiert man bis zu 45 Minuten. Meist weniger. Anfangs sogar nur um die 20 Minuten.

Das klingt lächerlich, ist es aber nicht. Wie effektiv diese Trainingseinheiten sind, merkt man einmal sofort aufgrund der Erschöpfung. Die 5 Grundübungen trainieren dabei wirklich jeden Teil des Körper, auch wenn das erst einmal gar nicht ersichtlich ist. Aber spätestens nach einem Durchgang weiß man, dass auch das kein Schmu ist…

Nach den ersten 20 Minuten hatte ich das Gefühl ich laufe auf wackeligem Boden und kann kein Blatt Papier mehr heben. Die Muskeln haben z.T. gebrannt. Muskelkater gab es dementsprechend und danach die ersten Male regelmäßig.

Langfristig merkt man natürlich deutlich positivere Effekte. 🙂 Ich hatte z.B. kürzlich einen tierischen Muskelkater im Trizeps. Im Trizeps! Den habe ich seit 10 Jahren nicht mehr beansprucht. Jedenfalls nicht so intensiv (und ich habe deshalb auch nette Winkearme).

Etwa nach der Hälfte des ersten Zyklus merkte ich Beulen bzw. Ausbuchtungen an den Oberschenkeln. Hier bekam ich schon immer als erstes sichtbare Muskeln, so also auch diesmal. Als nächstes fiel mir irgendwann auf, dass ich seit Zeiten keine Rückenschmerzen mehr hatte. Über meine an dieser Stelle verkümmerte Muskulatur habe ich hier noch gejammert. Das Problem scheint behoben zu sein und macht sich auch sichtlich bemerkbar. Meine Haltung hat sich deutlich verbessert.

Im Unterschied zu früheren Abnahmen habe ich auch vermehrt am Bauch abgenommen. Das sehe ich nicht nur am Maßband, sondern auch an meinen „alten“ Hosen, also die, die ich kürzlich aus dem Keller geholt habe. Im Gegensatz zu früher spannen diese Hosen eher an den Oberschenkeln und sitzen am Bund locker. Früher – nach der Abnahme mit den WeightWatchers war es genau umgekehrt. Ob das mit den Übungen zusammenhängt, kann ich nicht bestätigen, aber ich finde es erwähnenswert.

Meine Waage sagt mir zudem, dass der prozentuale Anteil der Muskulatur an meinem Körper gestiegen, während der Anteil Fett gesunken ist. Das ist insofern wichtig, als dass mir diese Zahlen beweisen, dass ich nicht etwa Muskulatur abbaue. Bestenfalls erhalte ich ober baue sogar auf.

Alles in allem kann ich den Drill Sergeant Marc Lauren, sein Konzept und sein Buch „Fit ohne Geräte für Frauen“ empfehlen. Es kostet einen Bruchteil der Mitgliedschaft in einem Studio, trainiert dabei effektiv und ist nicht so zeitraubend.  Ob man dabei der Philosophie von Marc Lauren folgt (Fitness-Studio ist doof und Cardio-Training sinnlos), kann jeder selbst entscheiden. Ebenso, ob man sich die Ernährungspläne zu Herzen nimmt (vieles davon leider Fettlogiken). Ich jedenfalls bleibe bis zum Ende dabei und ergänze dann gerne meine Erfahrungen.

 

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