Modetratsch mit Feminismus

Nach der wirklich stressigen letzten Woche dachte ich, ich gönne mir mal (wieder) eine Shopping-Tour. Leute, ich werde noch bekloppt. Gestern habe ich doch tatsächlich mein erstes Oberteil in Größe 36, Moment: GRÖSSE SECHSUNDREISSIG, gekauft. Eine zarte Bluse von Esprit.

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Das kann natürlich alles gar nicht stimmen. Ich bin obenrum eine 42. Vielleicht auch 44. Und für die High Labels existiere ich noch nicht einmal. Und ganz eigentlich muss ich auch erwähnen, dass ich mehrere Oberteile erworben habe und da war tatsächlich alles dabei. Von 36 über 38, S, M, L und XL bis 44 und sogar 46 (das Oberteil unter der Espritbluse, es ist von H+M. Bei denen passen mir dafür hervorragend Röcke in Größe 36). Verrückt oder? Ich kaufe mittlerweile nicht mehr nach Größe, sondern nach Hochhalten und Gucken, ob’s passen könnte. Dann wird es anprobiert. Und mittlerweile liege ich ganz gut. Das spricht für die gestiegene Körperwahrnehmung.

Abgesehen davon wollte ich eigentlich ein, zwei Kleider kaufen. Eins hab ich dann auch gekauft, aber ich weiß nicht, ob ich dafür schon mutig genug bin. Ich habe aber noch Zeit, es ist ziemlich ärmellos und tief ausgeschnitten.

Ich kaufe ja, wie schon oft erwähnt, fast nur Second Hand. Es lohnt sich nicht nur finanziell, sondern ist auch für mich als wiedergeborenes Fashion-Victim und immer noch abnehmende Person nachhaltiger, als mir dauern neue Sachen zu kaufen. Und dazu kommt, dass man auch immer gucken kann, was gerade im Trend liegt (aber noch nicht in den normalen Shops zu haben ist) und zugreifen. Dann hat man quasi ein Unikat, das modisch sogar fast zu up to date sein kann. Z.B. hatte ich einen pinkfarbenen 80er-Jahre Blazer an. Beides – Pink und Eighties – 2017 schwer angesagt. Aber auch dafür war ich nicht mutig genug.

Mode hat mir eigentlich schon immer Spaß gemacht. Aber in meiner Hoch-Dick-Zeit habe ich mich außer an Schwarz an fast nichts rangetraut – man sieht es an den Vorher-Bildern. Aus mir nicht verständlichen Gründen ist Mode für Dicke auch zu 99% trutschig und altbacken. Da könnte noch so viel getan werden. Ich möchte wetten, die Mehrheit der Dicken kauft – so wie ich es auch gemacht habe – bei Bonprix, Baur oder, wenn man mehr Geld ausgeben kann, bei Ulla Popken. Letztere ist irgendwie spezialisiert auf Oma-Schnitte und -Muster. Welche dicke Person steht wohl auf Glitzer, Pailletten oder auffälligem Print auf Oberteilen? Tolle, vielleicht sogar ökologische Kleidungsstücke von kleinen Designern, wie man sie z.B. bei Dawanda findet, sind für jede dicke Frau völlig außer Reichweite.

Meinen ganzen früheren Frust habe ich im Pinkstinks-Blog *als Kommentar (erdstueck) zusammengefasst, kurz bevor ich FLÜ** für mich entdeckt habe. In dem Artikel ging es um feministische und nachhaltige Mode. Wie ich dort schrieb:

Mir überlegen zu können, wo ich nachhaltige und feministische Mode einkaufen könnte, erscheint mir so fern wie die Frage ob ich mir lieber ein Haus an der Alster oder in Blankenese kaufen sollte.

Jetzt habe ich das Luxusproblem, mir aussuchen zu können, wo ich kaufe.

Und was mache ich? Ich bin meinem Second Hand Laden um die Ecke treu geblieben. Ich geiziges Gewohnheitstier.

*Apropos Pinkstinks: Ich finde Stevie und Pinkstinks super! Ein Blick rüber auf deren Aktionen und den Blog lohnt sich!
**FLÜ = Fettlogik überwinden von Dr. Nadja Hermann

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Größe 40

Ich bin ziemlich genervt, weil ich immer noch krank bin und nicht viel machen kann. Ganz besonders fehlt mir die Bewegung und sportliche Betätigung. Ich werde sehr schnell sehr ungeduldig. Und es hat die Lage nicht verbessert, dass ich gestern quasi den ganzen Tag die Amtseinführung von Trump geguckt habe. Meine Laune ist momentan wirklich nicht die beste.

Egal. Ein bisschen bewegt habe ich mich heute doch und zwar von der Couch zum Kleiderschrank. Ich bin heute morgen schon mit dem Gefühl aufgewacht, dass ich irgendwie leichter bin und mich schlanker anfühle. Das liest sich vermutlich bekloppt und ist es wahrscheinlich auch, aber meist trügt mich das Gefühl nicht (insbesondere nicht, wenn es genau umgekehrt ist…). Jedenfalls hatte ich vor ein paar Tagen auf gut Glück zwei Hosen Größe 40 gekauft. Heute habe ich sie dann anprobiert und – oh Freude – sie haben gepasst! Jedenfalls am Bund. Anscheinend wird aber nun die Länge zum Problem. Nicht dass ich eine Riesin wäre, und eigentlich sind Hochwasserhosen, über die man sich Jahrzehnte beömmelt hat, plötzlich schick, aber mir gefallen sie nicht. Macht aber nichts, denn ich trage sie mit Stiefeln. Das ist doppelt fantastisch, denn Stiefel waren letztes Jahr um die gleiche Zeit keine Option. Außer Weitschaftstiefel, aber die habe ich mir nie angeschafft. Und nun habe ich Größe 40 und Stiefel! Zwei drei Paar! Zur Feier des Tage mit Bild:

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Wie immer bin ich auf den Bildern nur semi-gestylt… Aber eigentlich liege ich ja auch im Bett und bin krank.

Kleidergrößen sind ja so verlässlich wie löchrige Kondome und ich bin immer wieder erstaunt, dass es Online-Shops gibt, die keine Größentabellen führen. Ich frage mich, wer da bestellt und noch mehr frage ich mich, wie die Anbieter kalkulieren. Es erscheint mir wenig wirtschaftlich, wenn die Kund*innen doppelt und dreifach bestellen und viel zurück schicken.

Meine Anfangskleidergröße im Mai lag bei 56/50 (oben/unten). Jetzt habe ich (weitestgehend) 44/40. Ich habe einen Size-Gap und bleibe ihm anscheinend treu. Aktuell kann ich mir aber kaum vorstellen, dass ich obenrum noch an Umfang verliere. Mein Brustkorb steht ziemlich vor (ich habe einen sichtbaren Brustkorb! Und Rippen!), das sieht sehr merkwürdig aus. Rachitisch irgendwie. Nadja hat das in ihrem Buch und Blog auch erwähnt, sogar mit Fotos. Den Teil fand ich ziemlich abwegig und dachte an Einbildung. Aber jetzt sehe ich das selbst an mir – und das weit vor dem Ziel! Nun hatte ich als schlanke Frau schon ein D-Körbchen und Kleidergröße M (whatever that means). Selbst wenn ich am Busen noch abnehme, muss erst einmal der Knochenbau zurück gehen und ob das bei mir noch passiert, naja. Ich bin keine 20 mehr. Wenn ich oben rum also auf 42 komme, freut mich das schon. Unten rum ist mir die weitere Entwicklung eigentlich schon fast egal. Größe 40 ist eine Allerweltsgröße und alle (für mich interessanten) Label führen sie. Insofern muss ich nicht auf Krampf auf 36 oder 34 kommen. Zumal mir die Hosen dann wahrscheinlich in den Kniekehlen baumeln. Wie machen das all die großen super schlanken Models? Es gibt doch nicht überall Lang-Größen!

Apropos rausgedrückter Brustkorb. Meine wöchentlich Körperanalyse hat mir heute neben 100g weniger als gestern (geschenkt) auch 1% weniger Viszeralfettanteil angezeigt. Das hört sich nach Mini-Verlust an, aber prozentual liege ich jetzt bei 6% und das ist einfach nur fantastisch. Angefangen habe ich mit 12%.