Wie läuft’s?

Es läuft. Oder eigentlich: Ich laufe. Auf und davon, weg, rückwärts und bergab, durch den Schlamm und vor allem rund.

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Die letzten Wochen ist es hier recht still gewesen. Das liegt ganz gewiss daran, dass ich kaum noch zuhause bin. Dafür darf ich jede zweite Woche in Mandalu verbringen. Mandalu ist die schöne, euphemistische und meiner geistigen Verfassung angemessene Bezeichnung für MAN-nheim, DA-rmstadt und (neu) LU-dwigshafen. Nach wie vor arbeite ich nämlich an dem Großprojekt meines Unternehmens und weil ich so unsagbar wichtig* bin, muss ich ständig in den Süden reisen. Mittlerweile fahre ich dank meines Arbeitgebers sogar schwarz:

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Mein Leben habe ich den neuen Umständen angepasst. Ich besitze mittlerweile viele ultrawichtige Dinge doppelt, z.B. meinen rotierenden Lockenstab und mein Laufequipment. Alles zusammen lebt, gemeinsam mit meinem Reisewasserkocher, in meinem fast gepackten Rollkoffer, der stets zur Abfahrt bereit steht. Ich kann meine Reisetage nicht immer planen, bisweilen entscheidet sich nur ein paar Tage im Voraus, wo ich die nächste Woche verbringen darf.

Nun ja. Man richtet sich ein. Diättechnisch bin ich gar nicht mehr dabei. Ich achte darauf, nicht mehr als meinen Tagesverbrauch an Kalorien zu verputzen und mache dazu viel, bisweilen sogar sehr viel Sport. Vor allem, wie eingangs erwähnt, laufe ich. Ich! Die ich in der Schule Laufen gehasst habe und auch dann über 20 Jahre nicht ansatzweise auf die Idee gekommen wäre, freiwillig damit anzufangen.

Aber warum hat mir auch keiner gesagt, was das Laufen mit einem macht! Ich hatte ja keine Ahnung! Es befreit! Es flowt! Es berauscht! Mein Kopf wird so wunderbar leer. Ich denke beim Laufen nie an meine problembehaftete Arbeit, ich denke sowas wie „oh, da schwimmt eine Ente“ oder „ah, ein Eichhörnchen“.  Laufen wirkt bei mir also mehr auf die Psyche als auf meine körperliche Verfassung. Darauf zwar auch, aber das ist quasi zu vernachlässigen (im Gegensatz zu Kraftsport). Tatsächlich habe ich meinen Körper anfangs viel zu viel zugemutet. Ich habe nämlich alles falsch gemacht.

Ich bin insgesamt zu lange gelaufen, geflasht vom geilen Gefühlt, der Hochstimmung und dann bin ich zum Ende hin auch immer schneller geworden statt gemütlich auszulaufen. Pausen habe ich kaum gemacht und auch nicht darauf geachtet, wie ich laufe. Die Folge waren fiese Shin-Splints, Schienbeinschmerzen.

Ich habe mich dann schlau gemacht und laufe jetzt nach Programm. Zudem habe ich eine Laufstilanalyse machen lassen und mir entsprechend passende Laufschuhe gekauft. Das hat mich nur ein kleines Vermögen in Höhe von ca. 175 Tafeln Schokolade gekostet.

Und weil ich ein mega Spielkind bin, habe ich mir dazu auch gleich eine neue Fitness-Uhr geholt, auf die ich diverse Lauf-Apps laden kann. (Der eigentliche Kaufgrund waren aber eher Gadgets wie das Schritt-Tetris, ich bin die älteste 12-jährige der Welt!):

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Eine Weile bin ich täglich gelaufen und habe gar keinen anderen Sport mehr gemacht. Das hatte interessante Auswirkungen: Meine erste Kraftsport-Session nach dem Ausflug in die Cardio-Welt war ein Desaster! Mit einer Ausnahme. Alles, was mit den Beinen zu tun hat, fällt mir aktuell deutlich leichter: Squats, Lunges usw. (in Altdeutsch: Kniebeugen und Ausfallschritte).

Dennoch: Laufen ist für den Spaß, für den Flow, zum Abschalten. Eigengewichtübungen, Freeletics, HIIT, Jilians Workouts sind (für mich) der echte Sport (mit sinnvollem Aua).

Da mit zunehmender Dunkelheit am Abend der Laufsport für mich nicht mehr ausübbar sein wird, überlege ich aktuell Alternativen. Ich liebäugle mit einer Anmeldung im Fitness-Studio, da es dort ja auch Laufbänder gibt. Ich könnte also Gewicht- und Lauftraining verbinden.

Btw: Schwimmen ist auch wieder im Programm. Ich habe ja noch den hässlichen Badeanzug, den ich mir Anfang des Jahres gekauft habe. Leider kann ich ihn mittlerweile bis zu den Knie runterziehen, aber egal. ich trage ihn ja nur in Mandalu. Da kennt mich keiner.

So long. Ganz so schlimm sind meine Eskapaden wohl nicht. Jedenfalls kann ich mit dem „Nachher“ im Vergleich zum „Vorher“ ganz gut leben.

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*oder einfach der Depp

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ES läuft!

Ich bin noch da. Irgendwie. Aber eigentlich bin ich ziemlich viel weg. Das liegt daran, dass mein Arbeitgeber gerade ein richtig, richtig großes Softwareprojekt umsetzt und ich maßgeblich an der Einführung beteiligt bin. So nebenbei bin ich studienortübergreifend nämlich auch im QM tätig.

Übersetzt heißt das, dass ich momentan und bis auf weiteres quasi wöchentlich zwischen Hamburg, Darmstadt, Mannheim und Heidelberg hin- und herpendle. Es heißt leider auch, dass es mir aktuell recht schwer fällt, ein großes Kaloriendefizit zu fahren. Dazu bin ich leider zu sehr Stress-Esser. Und nicht nur das Reisen bzw. das Projekt knappst an meinen Ressourcen, ich schreibe im September auch noch eine Klausur, für die ich Lernen sollte. Ein Glück, dass wir wenigstens gerade in Spanisch ferienbedingt pausieren.

Ich versuche, so gut es geht unter 1800 kcal zu bleiben. Das gelingt mir auch ganz gut soweit. Zusätzlich treibe ich fast jeden Tag Sport. Und ich kann gar nicht aufhören, darauf ein Loblied zu singen!

Ich L I E B E Sport!

Ich sehe die Resultate, ich spüre sie, ich fühle mich fit, ich schlafe trotz Stress gut, ich bin leistungsfähig, ich kann Stress abbauen und selbst wenn ich mich japsend, schweißtriefend und ausgepowert auf das Hotelbett werfe, fühle ich mich mit einem Mal total entspannt und sehr wohl.

Für jede/n Abnehmwillige/n da draußen: Sport hilft!

Besonders stolz bin ich, dass ich am 1.7.2017 tatsächlich mein erstes Rennen gelaufen bin – und wohlbehalten im Ziel ankam, trotz Regenguss! Ich war patschnass!
Auf dem Gruppenfoto habe ich mich erst einmal gar nicht gefunden. Ein Glück, dass ich meine rosa Glitzerschuhe anhatte.

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Auf dem Weg nach Hause – mit einem Umweg über ein Shopping-Center, inzwischen wieder trocken und mit dem blauen Finisher-T-Shirt am Leib, wurde mir mit einem Mal bewusst, was das eigentlich bedeutete. Ich bin bei einem Rennen mit gelaufen! Ich! Frau Ü100! Halt – ich bin ja gar nicht mehr Ü100! Seit über einem Jahr nicht mehr! Ich bin normalgewichtig! Ich trage Größe 36/38! Ich kann wieder schmerzfrei gehen! Ich kann sogar laufen! LAUFEN! ICH!!!

Und dann liefen mir plötzlich die Augen voller Tränen und kullerten an meinen Wangen runter. Auf der Rolltreppe im Shopping-Center stand ich da und heulte. Und als ich zuhause ankam und dem besten Ehemann in die Arme fiel, heulte ich weiter.

Weil ich so unglaublich glücklich war.

Plitsch, platsch, flatsch!

Ich bin fast wieder gesund, obwohl ich mich donners- und freitags in die Arbeit gequält habe und dort – dank schmerzendem Ballonkopf-Syndrom – vermutlich sinnlose Anweisungen erteilt und meine Mitarbeiter nachhaltig verstört habe.

Also zwei ganz normale Arbeitstage für meine Mitarbeiter. Zwei ätzende für mich.

Gestern habe ich mich dann früh morgens zum Einkaufen geschleppt, da ich schon damit gerechnet habe, dass alle Welt Panikkäufe angesichts des Feiertags tätigen wird. Ich bin da natürlich ganz anders, weshalb ich auch voll beladen mit Quatschkram wieder nach Hause kam. Und damit nicht genug bin ich nachmittags nochmal los, um in meinem Lieblingsladen (Bodyattack) das komplette Sortiment an Cheesecake-Aroma leer zu kaufen. Man weiß ja nie!

Die Quatschkäufe und die Wagenladung Aroma führten dazu, dass ich gestern dann den ganzen Nachmittag mit Lebensmittel-Experimenten in der Küche verbrachte. Testesser war nicht nur mein wunderbarer Ehemann, sondern auch ich habe mich selbstlos geopfert, um Pseudophiladelphia-Kuchen, Milchschnitte ohne Milch und Matschbrot zu kosten.

Ich habe überlebt, aber vermutlich 2 kg zugenommen und komischerweise morgens nicht daran gedacht, auf die Waage zu steigen, um diese Annahme zu verifizieren! Was für ein merkwürdiger Zusammenhang! Anscheinend erzeugen meine Küchenlaborexponate Vergesslichkeit!

Da das Wetter heute so schön war, sind der wunderbare Ehemann und ich mit dem Roller (Whömm-röng-döng) raus auf’s Land gefahren. Also genau genommen zur Wasserski-Anlage. Was kann schöner sein als in eine flauschige Decke gehüllt, mit dicker Lederjacke, Schal und Handschuhen auf der Terrasse bei einem leckeren Latte Macchiato zu sitzen, während die Wassersportler reihenweise ins eiskalte Wasser plumpsen! Das kann ich euch sagen: Zu jedem einzelnen kluge Kommentare abgeben!

„Boah, guck mal der, keine Körperspannung! Den zerbrezelt es gleich! Ha!“

Allerdings waren da auch viele Profis und deren Performance war schon schön anzuschauen.

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Auf dem Weg zurück haben wir mal geguckt, was so die Preise für die Nutzung der Anlage sind: 40 Euro für zwei Stunden inkl. sämtlichem Leihequipement! Cool!

„Lass uns das doch mal machen, im Sommer natürlich!“ sage ich zum besten Ehemann.

„Nee Frau, lass mal. Da sitzen dann so Spacken wie wir auf der Terrasse und verhöhnen uns!“

Stimmt, denke ich. Abgesehen davon, Sommer! Den gibt es hier in Hamburg ja sowieso nicht.

Souvenir, Souvenir

Ich habe mir aus Berlin Souvenirs mitgebracht. Zum einen wäre da eine schöne Nebenhöhlenentzündung. Das wundert mich eigentlich nicht, angesichts der Eiseskälte, der ich da ausgesetzt war. Und dummerweise schützt einen das Abnehmen nicht davor, krank zu werden. Es ist zwar immer noch nicht geklärt, ob Frieren und Erkältungen Hand-in-Hand gehen, aber durch den Gewichtsverlust friere ich viel mehr und möglicherweise bin ich dann auch anfälliger für Entzündungen.

Vielleicht war es auch einfach an der Zeit, mich mal auszuruhen (was ich nicht wirklich tat, Quittung habe ich dann umgehend heute Nacht erhalten). Ich liege also zuhause auf der Couch und langweile mich.

Ein weiteres Souvenir hat mich noch mehr geärgert! Nach meiner grandiosen Laufleistung (30 Minuten Entengewatschel), bekam ich mit den typischen 24 Stunden Verspätung erst einmal höllisch Muskelkater. Ich wusste also schon, dass ich mich beim Wiegen zuhause auf eine Zunahme gefasst machen müsse, denn Muskelkater bedeutet (bei mir) Wassereinlagerungen. Als ich dann im heimischen Bad auf die Waage stieg, fielen mir schier die Augen aus dem Kopf: 2,5 – ZWEI KOMMA FÜNF! – Kilo mehr!

Alles aus! Ich nehme zu! Vorbei mit der Abnahme! Hungerstoffwechsel! Kaputt diätet!

Naja. Ich gebe zu, ich habe in Berlin zweimal gesündigt! Einmal war ich mit meinem Lieblingskollegen mittags Sushi-Essen. Und ich habe mir vor dem Laufen eine Brezel und ein Hefebrötchen gegönnt! Zwar alles kalorientechnisch im grünen Bereich, aber hey, Kohlenhydrate! Zucker! Das rächte sich wohl sofort!

Dachte ich. Ich bin immer noch nicht ganz frei von Fettlogiken.

Woran ich natürlich NICHT dachte, ist, dass eine derartige Einlagerungen einen weiteren Grund haben könnte. Ein Glück war ich schon zuhause, als ich darauf stieß. Warum wohl heißt es Periode, warum Zyklus? Verdammt! Weil der Scheiß immer wieder kommt! Daran habe ich echt nicht gedacht! Warum auch, ich hatte fast 10 Jahre keine Blutungen! Und ich hatte gehofft, das bleibt auch so, bis es sowieso vorbei ist.

Nun. Zurück gerechnet und siehe da, vor etwa 30 Tagen hatte ich auch eine Periode. Ach, da könnte ein Zusammenhang bestehen…

Die 2,5 Kilo Wassereinlagerung sind weg. Das ist die gute Nachricht. Dass mein Körper trotz Verhinderungspille wieder normal funktioniert, naja, das ist zumindest bemerkenswert. Es wäre mal interessant zu wissen, ob die vermeintliche „Nebenwirkung“ der Gestagen-Pille, nämlich das Ausbleiben der Menstruation, damit zusammenhängt, dass man diese Pille vorwiegend übergewichtigen Frauen verschreibt. Bei mir jedenfalls scheint eher das massive Übergewicht als die Pille den regulären Zyklus unterbunden zu haben. Vielleicht auch ein Zusammenspiel beider Faktoren.

Ich kann jetzt auch wieder nachvollziehen, warum in meiner Abnehmgruppe das Geheule rund um die Periode groß ist (Fressattacken, „Zunahme“). Und warum ich so unglaublich Appetit auf Dreckszeug hatte, weiß ich jetzt auch.

Pressetermin mit Katja

Gestern war ich bei einem Pressetermin mit einem Kunden und mehreren PR-Agentinnen. Zum Abschluss wurde ein Foto gemacht und, mal abgesehen dass ich zwischen den hippen, natürlich perfekt gestylten Marketing-Bussi-Missies wie Tante Minna aus dem Schweinezuchtkombinat „Fröhliches Ferkel“ wirkte, konnte ich mich auf dem Foto ansehen ohne Abscheu zu empfinden. Ein Fortschritt!

Nächste Woche „darf“ ich dann wieder in den Süden der Republik verreisen. Diesmal habe ich das Hotel schon Wochen vorher gebucht, um nicht wieder in einer merkwürdigen Absteige zu landen, deren einziger Vorzug die einigermaßen günstige Lage ist. Mit meinem Händchen für Hotels wird es wahrscheinlich nicht viel besser werden. Dabei habe ich ganz bescheidene Bedürfnisse: Licht, Bett, eventl. Fenster, Badezimmer und Toilette. Und als Goodies obendrauf: ZDF Neo, einigermaßen funktionierendes WLAN und Wasserkocher. Die letzten drei Bedürfnisse wurden noch NIE alle erfüllt, weshalb mir ein Entweder-Oder schon ausreichen würde.

Heute kam dann eine Buchungserinnerung mit allerlei Tipps und Anfahrtsbeschreibung usw. In der Beschreibung zum Hotelzimmer las ich dann überraschend: Einige Zimmer sind mit Dusche ausgestattet. Für einen kurzen Augenblick überlegte ich tatsächlich, ob die anderen gar keine sanitäre Einrichtung haben könnten, bevor ich mich mit „da ist dann bestimmt eine Badewanne drin“ beruhigt habe. Sagen wir so. Ich lasse mich überraschen. Im Zweifel stinke ich halt. Hauptsache, ich sehe gut aus…

Auf’s Fitness-Studio im Hotel muss ich dieses Mal auch verzichten. Ich habe schon überlegt, ob ich meinen hässlichen sportlichen neuen Badeanzug mitnehme und mir ein Schwimmbad suche, damit ich nicht in die Faulheitsfalle gerate. Würde auch das Stinke-Problem lösen! Das Blöde ist nämlich, dass ich mitten in meiner 30-Tage Challenge stecke – heute mit Tag 11 – und eigentlich keine vier Tage aussetzen möchte. Es läuft gerade so gut. Jillian hat in gewisser Weise nämlich doch recht: es wird täglich besser weniger schlimm. Und es scheint auch etwas zu bringen. Jedenfalls fühle ich mich so fit wie lange nicht mehr, meine Beine sehen schlanker aus und meine Bauchmuskeln wachsen und wachsen. Dazu schaffe ich nun sogar echte Liegestütze (wenn auch nur wenige). Ich bin wirklich von ihrem Programm angetan.

Wiegetechnisch bewegt sich leider immer noch nichts. Aber das lehrt mich halt Geduld. Ist eigentlich keine meiner Kernkompetenzen, aber umso besser.

Übrigens sind auch Pressetermine keine meiner Kernkompetenzen. Ich neige zu peinlichen Aussagen, manchmal spreche ich auch Gedanken aus ohne dass mir das so bewusst ist. Einer Person habe ich mal auf die Frage, ob ihr eine bestimmte Frisur stünde, gedankenverloren gesagt, dazu müsse man ein hübsches Gesicht haben. Und als ein anderes Mal eine Mutter mit ihrem Kind eine Arbeitskollegin besuchte, entfuhr mir ein „ist dieses Kind hässlich“. Heute morgen habe ich zwei Personen beim Abschied „Viel Spaß“ gewünscht.

Sie waren unterwegs zu einer Beerdigung.